Volltext: Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, 22.1912

Kleine Mitteilungen . 
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Ich selbst hab' es nicht gedacht , 
Peter hat mich klug gemacht . 
Wenn - wir armen Nonnen beten , 
Kommt der graue Abt getreten , 
Schließt sich zur Äbtissin ein . 
Wie mag da die Beichte sein ? 
12 . Pater : Aus Dir reden böse 
Geister , 
Lügen kannst Du wie ein Meister , Morgen mauert man Dich ein , 
Sonst will ich nicht Pater sein . 
Solche mehr als böse Sachen Sollte die Äbtissin machen ? 
Ich schwör' Dir den größten Eid , 
Beide sind voll Heiligkeit . 
13 . Nonne : Abteskappen statt der 
Hauben 
Und die Hose statt der Schauben Hatt' vor Schreck sie in der Hand1 ) , Als jüngst unsre Küche brannt' . 
Heißt das fromm und heilig leben Und kein böses Beispiel geben ? 
Soll ich eingemauert sein , 
Mach' ich erst mein Herze rein . 
14 . Pater : Lose Nonne , Deine 
Lügen 
Können mich nicht überwiegen , 
Ach , die gute fromme Frau Wird so früh vor Andacht grau . 
Deine Bosheit soll nicht siegen , 
Das sind auserdachte Lügen , 
Ich , Abt und Äbtissin sein Yon dergleichen Sünden rein . 
15 . Nonne : Sonst verreiste oft mein 
Yater , 
Und ein wohlbekannter Pater 
Hat so manche liebe Nacht 
Bei meiner Mutter zugebracht . 
Einstmals kam zum Mißgeschicke 
Unser Vater gleich zurücke , 
Und weil jetzt der Mond hell schien , 
Kroch der Pater ins Kamin . 
16 . Pater : Ei , das sind mir schlechte 
Sachen , 
Die wird doch kein Pater machen ; 
Halte Deinen bösen Mund ! 
Wollt' ich und es wäre kund , 
Läßt man heute ihn vermauern , 
Und er sollte mich nicht dauern , 
Sollt' es auch der Prior sein : 
Hui , die Sache klingt nicht fein . 
17 . Nonne : Ach , mein vielgeliebter Pater , Nicht nur ich , sogar mein Vater 
Kennen diesen Pater wohl . 
Da ich alles sagen soll , 
Will ich es gleich rein erzählen . 
Und die Sache Gott empfehlen . 
Und gelogen liab' ich nie : 
Der Herr Pater , das sind Sie . 
18 . Pater : Tochter , schließe Deine Beichte , Denn Dein Herz wird gar zu leichte 
Und das meinige zu schwer , 
Tat ich's sonst , tu ich's nicht mehr . 
Ich und alle Menschenkinder , 
Abt , Äbtissin bleiben Sünder . 
Klosterleben ist nur Pein , 
Lieber wollt' ich Türke sein . 
19 . Nonne : Nun , wie steht's mit dem 
Vermauern ? 
Mein Herr Pater sollt' mich dauern ; 
Wenn es bliebe bei dem Wort , 
Müßten Sie ja auch mit fort . 
Man muß doch erst recht verhören . Und dann wird's sich auch schon lehren . [ Wer der größte Sünder sei . ] 
Gott steh' unserm Kloster bei ! 
20 . Pater : Nun . mein Kind , ich wollt' 
nur scherzen , So was ging mir nicht von Herzen , 
Weil ein Mädchen , wie Du bist , 
Bei uns wohl zu gebrauchen ist . 
Du kannst Petern ferner küssen , 
Nur laß mich auch was genießen ! 
Kann ich's nicht , wie's Peter tut , 
Bin ich Dir doch herzensgut . 
21 . Nonne : Werden denn auch meine 
Sünden 
Heut' bei Euch Vergebung finden ? 
Denn ich gehe nicht davon Ohne Absolution . 
1 ) Dieser Zug stammt aus der bekannten Novelle Boccaccios ( Decameron 9 , 2 ) ; vgl . Bolte zu Montanus' Schwankbüchern 1899 S . 630 und zu Hans Vogel nr . 34 ( Archiv f . neuere Sprachen 127 , 284 ) .
	        
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