Volltext: Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, 22.1912

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Schell : 
der Wolkenesche ist doch heute für uns so untrennbar , dass wir eine scharfe Sonderung und Trennung beider nicht mehr vornehmen können . Die Kräfte der Wolkenesche sind gleichsam herniedergeilossen auf die irdische Eberesche ; daher ihre heilende , befruchtende , das Böse abwehrende Kraft . 
Mit dem Wolkenbaum und seinem irdischen Abbild ( Eberesche usw . ) hängt ferner der Wetter - oder Abrahamsbaum usw . zusammen , der in manchen Gegenden bekannt ist . „ Wie Yggdrasill wird in Schweden die Esche in den Fasten als Askafroa , um Unheil zu verhüten , begossen , Sonntags nach Lichtmess der zierte 'Adamsbau' , der am Harz den Wetterbaum bedeutet , im schwäbischen Saulgau um den Brunnen getragen , wie anderswo der Pfingsbutz statt des baums , oder der Brunnen wird zu Pfingsten oder schon zu Neujahr mit dem 'Mai' oder der 'Pfingsthütte' geschmückt . Auch der Maibaum und der mit ihm wesentlich gleiche Erntebaum , Ernte - , Harkelmai , wird begossen und zu Johanni verbrannt " ( E . H . Meyer , Germ . Myth . S . 84 ) . Hier darf man wohl ferner den Brauch ( Witzschel , Sagen aus Thüringen " 2 , 155 ) anführen , dass man junge Schösslinge der Eberesche zur Weihnacht mit Zuckerwerk behängt . In Island ( H . Peilberg , Die Baumseele bei den Nordgermanen . Am Ur - Quell 5 , 120 ) hält man den eschenbaum noch heute für heilig . Wer in der Christnacht einen Vogelbeerbaum sah , fand ihn an allen Ästen mit Lichtern besetzt , die weder Sturm noch gestöber auszulöschen vermochten ( vgl . auch Arnason , Islenzka ThjoOsögur 1 , 643 ) . Wer einen Vogelbeerbaum sucht , in der Absicht , ihn zu fällen , findet ihn mehr , wenn er sonst seinen Standort noch so genau kennt . Man darf diesen Baum nie als Nutzholz verwenden . Wirft man ihn ins Feuer , so entsteht Streit unter denen , die sich um das Feuer scharen , wenn sie auch sonst die besten Freunde sind . 'Als Nutzholz verwandt , verursacht er , dass Weiber ihre Kinder nicht bären können , und dasselbe gilt für alles Vieh im Hause . Wird der baum zu Schiffholz benutzt , geht das Schiff unter , wTenn nicht Wacholder mit im Schilfleib sich findet , und hat man nur an der einen Seite des Bootes das Gestell für die Ruder von diesem Holze , kippt das Boot um . ' ( Feilberg , Ur - Quell 5 , 120f . ) Die enge Verbindung des Wolkenbaumes mit der irdischen Eberesche zeigt klar die schwedische 'flögrönn' , die dänische 'flyvende Ron' , zu deutsch Flugesche ( vgl . oben ) . Sie wächst nach Mistelart auf einem anderen Baume . Erscheint sie in Kreuzform , so fasst man sie als Verkörperung des Donnerkeils auf ( E . H . Meyer , S . 84 if . ) . In dieser Form dient sie als Wünschelrute . Ferner ersetzt sie die abwehrende Zauberkraft des Stahls oder Kreuzes gegen Mare , Elben , Lähmung usw . ( H . Cavallius , Wärend och Wirdarne 1 , 314 ; Wigström , Folkdigtning i Skâne S . 105 , 200 fi' . ) . Diese Kraft entwickelt die Flögrönn dann , wenn sie am Himmelfahrtstage ( Thorstag ) geschnitten wird . 
Die Flugesche ist nach dem dänischen Volksglauben gut für manche Dinge , denn sie wächst nicht auf der Erde ; darum haben die Hexen keine Macht über sie . In Westjütland trieb man in alten Tagen das Vieh oft den ganzen Sommer auf die entfernten Aussenfelder . Um es gegen die Hexen zu schützen , koppelte man es paarweise zusammen und steckte Holz von der Eberesche in das holz . Wenn man in Westseeland die Butter nicht gewinnen kann , muss man ein Stück Eberesche in Kreuzform in den Kirnstab setzen . In Westseeland bohrte man , um das Vieh vor Hexerei zu schützen , ein Loch in das Horn , steckte etwas von der Eberesche hinein und verklebte das Loch mit Jungferwachs . In seeland gab man der Kuh , welche gekalbt hatte , Eberesche mit Salz ; dann war sie gegen alle Hexerei geschützt . Der Besitzer eines Gutes in Westseeland hatte einst viel Unglück mit seinem Vieh . Wurde aber ein Stück verkauft , so blieb
	        
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