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Volltext: Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, 22.1912

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Spiess : 
der Hand von Schnittmustern kann eine wissenschaftliche kunde zu gesicherten Resultaten gelangen . Die Schnittmuster lassen das Typische deutlich erkennen ; sie bringen das Wesentliche , ohne durch Nebensächliches zu beirren , und nur sie lassen eine rahige wicklungsgeschichtliche Yergleichung zu . ' Wie sich im einzelnen Falle hieraus wichtige Vergleichspunkte ergeben , mag ein Beispiel erläutern . Die Hinterländer Bäuerinnen tragen einen Rock , der von oben bis unten in enge Falten gelegt ist . Wenn er fertig die Hand des schneiders verlässt , bildet er aber keineswegs ein geschlossenes Rund ; er lässt vielmehr yorne eine Bahn offen , die in ihrer Breite der breite entspricht . Solange der Rock nun noch nicht in Gebrauch nommen ist , wird er , in Falten gelegt und zusammengebunden , in der Kleidertruhe aufbewahrt und hat in dieser Form das Aussehen eines dicken viereckigen Brettes . Soll er dann benutzt werden , so wird die fehlende Rockbahn durch einen Einsatz von Glanzleinwand ersetzt . Da die Schürze diesen Einsatz bedeckt , ahnt niemand den frommen Betrug . Auffallenderweise kennt nun auch die westfälische Frauentracht diesen Einsatz unter dem bezeichnenden Namen 'Gutgenug' oder 'Magsachte' . Das regt doch ohne weiteres zu Vergleichen an , ohne dass dabei gleich an Entlehnungen zu denken wäre . Aber auf die Herkunft volkstümlicher Kleidersitten fällt doch ein bezeichnendes Licht . Leider versagen , was Form und Schnitt der Kleidungsstücke anlangt , alle Trachtenbücher völlig ; nur Jus ti s 'Hessisches Trachtenbuch' macht auch hier eine werte Ausnahme . 
Die Ausschmückung der Kleidung durch Stickerei und arbeit heischt besondere Beachtung . Wir haben hier ein noch fast gänzlich unbearbeitetes Kapitel bäuerlicher Kunstbetätigung vor uns . Die Technik dieser Handarbeit wäre zuvörderst zu erforschen und die Frage zu erörtern , wie die Muster aufgezeichnet werden — ob dies eine besonders geschickte Bäuerin für andere besorgt oder ob sich die Frauen die Muster selbst aufzeichnen ; für die Frage nach der Herkunft der Muster , nach etwaiger Beeinflussung durch die Zeitmode , nach Abänderung durch individuellen Geschmack und nach der ganzen Art volkstümlicher Kunstüberlieferung überhaupt gewinnt man dadurch wichtige punkte — und in welchen Farben die Stickerei gehalten ist , ob weiss auf weiss oder schwarz auf weiss oder bunt auf weiss oder bunt auf bunt . Eingehend müssen dabei die zur Verwendung gelangenden Motive handelt werden ; zumeist sind es pflanzliche , stilisierte Tulpen , Lilien und Nelken ; aber auch figürliche Darstellungen aus der biblischen Geschichte und Tiere ( Löwen , Vögel ) finden sich . Man wird dabei die Stickereien auf der Bettwäsche , auf Handtüchern usw . zur Vergleichung ziehen . Was eine vergleichende Betrachtung dieser Motive für reiche Erträgnisse nach der entwicklungsgeschichtlichen Seite hin liefert , dafür
	        
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