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Volltext: Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, 22.1912

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Spiess : 
Tracht ausgehen . Wird die Tracht noch allgemein getragen , so ist er in der denkbar glücklichsten Lage . Aber auch wenn nur noch vereinzelte Träger der Tracht unter der älteren Generation sich finden , sind ihm die Umstände günstig . Im anderen Falle steht er schon zu Beginn seiner Arbeit yor grossen Schwierigkeiten , die einen befriedigenden Erfolg in Frage stellen . Immerhin wird er versuchen müssen , aus alten Truhen und versteckten Winkeln ein oder das andere Kleidungsstück mühsam her - vorzusuchen . Ein vollständiges und anschauliches Bild wird er aber kaum gewinnen . Der mündlichen Auskunft von Gewährsmännern über sei er äusserst vorsichtig und zurückhaltend . Wer weiss , wie gering die Kenntnis der eigenen Vergangenheit im Yolke ist , wie zahlreich man Leute trifft , die nicht den Namen ihrer Grosseltern kennen , wird denken tragen , Berichte über Dinge , die der Befragte nicht aus eigener Anschauung kennt , zur Grundlage wissenschaftlicher Untersuchungen zu machen . Nur wenn solche Auskünfte durch andere Zeugnisse gestützt werden , siud sie überhaupt verwendbar . Nicht höher zu bewerten sind die Angaben , die man von Gebildeten , die auf dem Lande wohnen , lichen , Lehrern , Ärzten , Gutsbesitzern , erhält . Sie gehen fast in allen Fällen nicht auf eigene Beobachtung , sondern auf die Volksüberlieferung zurück und geben aus zweiter Hand weiter , was man dann doch noch besser vom Volke selbst aus erster Hand erfährt . 
Die erste Aufgabe ist nun eine genaue und eingehende schreibung der Tracht . Es genügt keineswegs , sie allgemein als 'Hessentracht' , 'westfälische Tracht' , 'Weizackertracht' zu kennzeichnen . Die Einreihung in diese Rubriken , die übrigens an sich noch gar nichts besagen , kann erst ein Ergebnis der Trachtenbeschreibung sein . Dass diese Beschreibung peinlich genau und so eingehend wie möglich sein muss , ist selbstverständlich . Sie erstreckt sich auf sämtliche stücke , vom Hemd bis zum Rock und Mieder , von der Haube bis zu den Strümpfen und Schuhen . Zunächst kommt die Werktagstracht an die Reihe ; nach ihr die Sonn - und Festtagstracht , die tracht , die Hochzeits - und Trauertracht , die Kirmestracht und andere Besonderheiten . Kommen die bäuerlichen schiede zwischen Grossbauern , Voll - und Halbhüfnern , Kätnern , Kossäten , Tagelöhnern in der Tracht zur Geltung , so ist auch darauf zu achten . Auch die Unterschiede zwischen Frauen - und Mädchentracht sind zu berücksichtigen . So ist z . B . bei den Schwarzwälder Bollenhüten die Farbe der Wollrosen bei Frauen und Mädchen verschieden , und man kann an ihr sofort erkennen , ob die Trägerin verheiratet oder unverheiratet ist . In anderen Trachten ist die Haube ein Kleidungsstück , das nur von heirateten Frauen getragen wird . Wie wichtig dabei anscheinend ganz nebensächliche Kleinigkeiten sind , sei an ein paar Beispielen erläutert . In der sächsischen Lausitz tragen auch die unverheirateten katholischen
	        
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