Volltext: Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, 22.1912

Kleine Mitteilungen . 
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d . h . lasst uns die Nasen niedrig halten , lasst uns den Tau gemessen ; ein Beweis dafür , dass der Bauer die frische Luft am Morgen für gesund hält . — ( Kreis Obornik . ) 
12 . Ein polnischer Bauernspruch lautet : 
. le . sli glósno brzçczy kosa , 
Bedzie rano wielka rosa — 
d . h . wenn die Sense hell klingt , wird morgens grosser Tau sein . — ( Kreis Wongrowitz . ) 
13 . Wenn die Landleute frühmorgens auf die Wiese gehen , um zu mähen , bestreichen sie gewöhnlich die Sense mit dem Tau . Sie meinen , dass sich dann die Halme leichter mähen lassen . 
14 . Ältere Leute , die schon eine kahle Platte haben , bestreichen sich den Kopf mit Tau ; sie glauben , dass der Tau den Haaren neue Kraft zum Wachsen verschafft . 
15 . Am besten ist der Tau , der unmittelbar am Flusse ist . Darum gehen auch die jungen Mädchen am ersten Pfingsttage auf eine Plusswiese , um sich mit Tau zu bestreichen . Sie bekommen dann , wie sie meinen , das ganze Jahr keinen Ausschlag im Gesicht und keine sog . Mitesser . 
16 . Wer sich mit Tau wäscht , wird schön und klug . 
17 . Wenn man sich mit dem am Vortage von St . Johannis gesammelten Tau die Füsse reibt , so kann man nie Krämpfe bekommen , wird auch bei der Ernte nicht müde . 
18 . Am ersten Weihnachtsfeiertage waschen die Knechte mit Tau , den sie am Vortage von St . Johannis gesammelt haben , den Pferden das Maul aus . Das soll das Schwitzen der Pferde in den Hundstagen verhindern . — ( Polnische Mitteilungen aus dem Kreise Birnbaum ) . 
19 . In der Walpurgisnacht klettern die jungen Burschen aus dem Dorfe auf eine Eiche und bleiben bis zum Morgen dort oben . Jeder hat eine Schale bei sich , darin sammeln sie den Tau , der sich an den Blättern der Eiche findet . Am nächsten Sonntag lassen sie den Tau weihen . Dieser Tau soll gegen den przyrok , den bösen Blick , helfen . — ( Aus Schrimm , Kreis Birnbaum . In andern Dörfern derselben Gegend glaubt man , dass das auf einer Buche oder Tanne geschehen muss , und nicht in der AValpurgisnacht , sondern eine Woche später . ) 
20 . Am Johannistage darf man frühmorgens nicht mit Schuhen auf eine Wiese oder auf ein Feld gehen , sonst erzürnt man den heiligen Johannes , und es wird dann die Ernte nicht gut ausfallen . Das Volk glaubt nämlich , dass der Täufer Johannes in der Wüste auch ohne Schuhe gegangen sei , und deshalb leide er nicht , dass die Gläubigen an seinem Feiertage frühmorgens Schuhe tragen . — ( Polnische Mitteilung aus Schrimm , Kreis Birnbaum . Es ist auch hier wohl an die heilsame Wirkung des Johannistaues zu denken . ) 
* 21 . Dem Tau wird wunderbare Heilkraft zugeschrieben . Wenn Leute offene Wunden haben , die nicht heilen wollen , so müssen sie diese mit dem Tau bestreichen , der auf einen Kuhiladen gefallen ist , und es wird sichere Heilung folgen . Um die Sommersprossen zu beseitigen , soll man an einem schönen borgen den Tau , der an den Gräsern hängt , in Eierschalen sammeln und sich damit waschen . Leute , welche kranke Augen haben , sollen diese mit dem Tau bestreichen , der an den Tannennadeln oder auch am Altweibersommer hängt . — ( Deutsche Mitteilung aus Czarnikau . )
        

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