Volltext: Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, 22.1912

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5 . Wenn ein Bauer seine Schafherde zum ersten Male auf das Feld treiben lässt , so geschieht das erstens am frühen Morgen , und zweitens lässt der Bauer seine Schafe absichtlich durch die Weide seines Nachbars auf die eigne Weide treiben . Er glaubt nämlich , dass seine Schafe , wenn sie das Gras mit dem Tauregen auf der fremden Weide fressen , davon sehr fett werden und dass sie auf der eignen Weide stets viel zu fressen haben werden . — ( Polnische teilung aus dem Kreise Obornik . Dagegen sollen nach einem Bericht aus Polajewo die Schafe nicht auf die Weide getrieben werden , wenn noch Tau liegt , sonst sterben sie aus . ) 
6 . Am Tage des h . Petrus und Paulus ( 29 . Juni ) soll das Vieh auf die Weide getrieben werden , wenn noch Tau liegt , da es dann viele Milch gibt . — ( Polnisch , aus Polajewo . ) 
7 . In den Monaten Mai und Juni lassen die Frauen ihre Schweine morgens aus den Ställen heraus und treiben sie in den Garten oder auf das Feld ; denn sie glauben , dass der Tau für die Tiere sehr gut ist . Sie sagen : 
Rosa przed . swiçtem Janem Pokryje , s\vinie lanem — 
d . h . der Tauregen vor dem Johannistage bedeckt die Schweine mit einer Ebene , macht sie schön und glatt wie eine Ebene . — ( Kreis Wongrowitz . ) 
8 . Hasen und Kaninchen dürfen kein Wasser trinken , sonst krepieren sie ; um so reichlicher äsen sie am Morgen die Saat ab , wenn sie mit Tau bedeckt ist . Deshalb werden sie auch nie von einer Krankheit befallen . — ( Polnische teilung aus dem Kreise Obornik . Nach einer polnischen Mitteilung aus dem Kreise Wongrowitz ist das Wild ( Hasen , Rehe u . a . ) besonders im Herbst sehr fett . Das bewirkt nach dem Glauben der Landleute der Tauregen , den die Tiere frühmorgens beim Abgrasen der Wiesen oder des Grases im Walde gemessen . Der Tauregen im Herbst macht das Wild fett . ) 
9 . Der Jäger geht auf die Pirsch , wenn sich der Tau auf die Wiesen senkt ; er glaubt , dass er dann den Bock sicher anpirschen wird , da der Tau dem Bock gleichsam die Spürkraft nimmt . Deswegen sagen die Jäger auch : 
Jesli rosa , Nie nie czuje , 
Cknie mu z nosa ; Choc próbuje — 
d . i . wenn es Tau ist , läuft's ihm aus der Nase ; er spürt nichts , trotzdem er es versucht . — ^ ( Mitteilung aus Zirke . ) 
10 . Nach dem Schluss der Ernte pflegt man einen Kranz aus den schiedensten Blumen zu winden , um ihn dem Hausherrn aufzusetzen . Er besteht aus dem eigentlichen Kranze und zwei Bogen , die in Kreuzform über dem Kranz befestigt sind . Nach dem Abendbrot wird er dem Hausherrn aufgesetzt . Darauf wird gewöhnlich getanzt . Der Hausherr darf den Kranz nicht eher abnehmen , als bis der Tau herabfällt . Ist dies geschehen , so weiss man ganz genau , dass die Ernte im nächsten Jahr gut ausfallen wird ; denn es wird reichlich regnen . Damit aber nicht zu viel Nässe kommt , lässt man den Kranz den nächsten Tag über in der Sonne hängen . Wer vor dem Fallen des Taues den Kranz herunternimmt , kann sicher sein , dass er im nächsten Jahr keine gesegnete Ernte haben wird . — ( Polnische Mitteilung aus Polajewo . ) 
11 . Die Dorfbewohner sagen , wenn sie im Frühling und Sommer frühmorgens aufstehen und besonders am Sonntage auf das Feld spazieren gehen , um die frische Luft zu gemessen , einer zu dem andern : 
¡Spucmy nosy , Skosztujmy rosy —
        

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