A. Referate. Urgeschichte.
357
Urmitz erinnert. Welche Art von Zusammenhang hier etwa anzunehmen
ist, will Lehner vorläufig nicht untersuchen, da die Herkunft der „Unter-
grombacher“- oder „Pfahlbaukulturstufe“, in der allein solche Bauten in
Westdeutschland bisher nachgewiesen sind, noch dunkel und die Kluft
zwischen ihren imposanten Festungsbauten am Rhein und deren verwandten
im ägäischen Kulturkreis vorderhand noch nicht überbrückt ist.
M. Iloernes-Wien.
505. E. Geinitz: Zwei für die Glazialgeologie wichtige Arbeiten.
Archiv d. Ver. d. Freunde der Naturgeschichte in Mecklenburg.
Heft 64. Güstrow 1910.
Das Schema der vier alpinen Eiszeiten Pencks oder der postglazialen
Perioden Steenstrups und seiner Nachfolger mit der Annahme eines über
weite Landstriche gleichmäßigen Wechsels der Floren und Klimate hat in
Archäologenkreisen eine kanonische Geltung erlangt, und das allgemeine
Streben geht dahin, dasselbe der Chronologie der uns beschäftigenden Er
scheinungen dienstbar zu machen. Es dürfte nicht überflüssig sein, darauf
hinzuweisen, daß jenes Schema den Wert einer in Fachkreisen unwider
sprochenen Wahrheit nicht beanspruchen kann. Einer der besten Kenner des
nordischen Diluviums, E. Geinitz in Rostock, dem wir auch die übersicht
lichste Darstellung der Eiszeit verdanken (Braunschweig 1906), hat seit Jahren
betont, daß die Glazialerscheinungen sich sämtlich auch bei der Annahme
einer größeren Einheitlichkeit deuten lassen, und daß zu ihrer Entstehung
nicht eine allgemeine Kälteperiode erforderlich ist, sondern eine Vermehrung
der Niederschlagsmengen dazu ausreicht. Eine Unterstützung findet Geinitz
jetzt in der Behandlung, welche H. Brockmann-Jerosch den fossilen
Pflanzenresten des glazialen Delta bei Kaltbrunn im Kanton St. Gallen widmet
(Jahrb. d. St. Gallischen Naturw. Gesellsch. 1910). Es handelt sich dort um
eine Deltabildung mit liegender und hangender Moräne, deren Gletscher dem
Bühlstadium zugeschrieben wird. Die in reicher Menge vertretene Flora entspricht
nun im wesentlichen der heutigen; es überwiegen die Feuchtigkeit liebenden
Laubbäume (Buche fehlt); Charakterbaum ist die Stieleiche. Man steht also
in einer Eichenperiode im Sinne Steenstrups, und diese rückt schon in das
Glazial und hat den letzten Vorstoß überdauert. Damit wird eine Revision
der Theorie einer Dryas-, Birken- usw. Periode notwendig. Der Verfasser
bestreitet die Nat hör st sehe postglaziale baumlose Tundra überhaupt; Dryas
ist eine Charakterpflanze nur für die jeweilige Abschmelzungsperiode auf
glazialem Ton, Birke usw. dringen am Rande der Gletscher vor, wo die starken
Winde die anspruchsvolleren Laubbäume nicht aufkommen lassen, die sich
gleichzeitig in geschützteren Lagen entwickeln. Brockmann-Jerosch
betont, daß die krautartigen Begleiter der Birke usw. durchaus keinen sub
alpinen oder subarktischen Charakter tragen. Die betreffenden Vegetationen
stellen keine Perioden, sondern Gürtel an dem jeweiligen Eisrande dar. Das
Klima ist ein ozeanisches, welches auch den viel berufenen südlichen
Charakterpflanzen der Höttinger Breccie die Existenz ermöglicht. „Die post
glaziale Flora steht nicht unter dem Einflüsse der Temperaturzunahme, son
dern der Niederschlagsabnahme.“ Damit vereinigt sich auch der „kosmo
politische“ Charakter der Fauna, in der Wald- und Steppentiere gleichzeitig
Vorkommen.
Für das Verständnis der Erscheinungen des nordeuropäischen Inlandeises
sind wiederholt die Beobachtungen herangezogen, welche an den großen Glet
schern der Yakulabai in Alaska, besonders dem Malaspinagletscher, gemacht