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Volltext: Zentralblatt für Anthropologie, 15.1910

A. Referate. Urgeschichte. 
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Urmitz erinnert. Welche Art von Zusammenhang hier etwa anzunehmen 
ist, will Lehner vorläufig nicht untersuchen, da die Herkunft der „Unter- 
grombacher“- oder „Pfahlbaukulturstufe“, in der allein solche Bauten in 
Westdeutschland bisher nachgewiesen sind, noch dunkel und die Kluft 
zwischen ihren imposanten Festungsbauten am Rhein und deren verwandten 
im ägäischen Kulturkreis vorderhand noch nicht überbrückt ist. 
M. Iloernes-Wien. 
505. E. Geinitz: Zwei für die Glazialgeologie wichtige Arbeiten. 
Archiv d. Ver. d. Freunde der Naturgeschichte in Mecklenburg. 
Heft 64. Güstrow 1910. 
Das Schema der vier alpinen Eiszeiten Pencks oder der postglazialen 
Perioden Steenstrups und seiner Nachfolger mit der Annahme eines über 
weite Landstriche gleichmäßigen Wechsels der Floren und Klimate hat in 
Archäologenkreisen eine kanonische Geltung erlangt, und das allgemeine 
Streben geht dahin, dasselbe der Chronologie der uns beschäftigenden Er 
scheinungen dienstbar zu machen. Es dürfte nicht überflüssig sein, darauf 
hinzuweisen, daß jenes Schema den Wert einer in Fachkreisen unwider 
sprochenen Wahrheit nicht beanspruchen kann. Einer der besten Kenner des 
nordischen Diluviums, E. Geinitz in Rostock, dem wir auch die übersicht 
lichste Darstellung der Eiszeit verdanken (Braunschweig 1906), hat seit Jahren 
betont, daß die Glazialerscheinungen sich sämtlich auch bei der Annahme 
einer größeren Einheitlichkeit deuten lassen, und daß zu ihrer Entstehung 
nicht eine allgemeine Kälteperiode erforderlich ist, sondern eine Vermehrung 
der Niederschlagsmengen dazu ausreicht. Eine Unterstützung findet Geinitz 
jetzt in der Behandlung, welche H. Brockmann-Jerosch den fossilen 
Pflanzenresten des glazialen Delta bei Kaltbrunn im Kanton St. Gallen widmet 
(Jahrb. d. St. Gallischen Naturw. Gesellsch. 1910). Es handelt sich dort um 
eine Deltabildung mit liegender und hangender Moräne, deren Gletscher dem 
Bühlstadium zugeschrieben wird. Die in reicher Menge vertretene Flora entspricht 
nun im wesentlichen der heutigen; es überwiegen die Feuchtigkeit liebenden 
Laubbäume (Buche fehlt); Charakterbaum ist die Stieleiche. Man steht also 
in einer Eichenperiode im Sinne Steenstrups, und diese rückt schon in das 
Glazial und hat den letzten Vorstoß überdauert. Damit wird eine Revision 
der Theorie einer Dryas-, Birken- usw. Periode notwendig. Der Verfasser 
bestreitet die Nat hör st sehe postglaziale baumlose Tundra überhaupt; Dryas 
ist eine Charakterpflanze nur für die jeweilige Abschmelzungsperiode auf 
glazialem Ton, Birke usw. dringen am Rande der Gletscher vor, wo die starken 
Winde die anspruchsvolleren Laubbäume nicht aufkommen lassen, die sich 
gleichzeitig in geschützteren Lagen entwickeln. Brockmann-Jerosch 
betont, daß die krautartigen Begleiter der Birke usw. durchaus keinen sub 
alpinen oder subarktischen Charakter tragen. Die betreffenden Vegetationen 
stellen keine Perioden, sondern Gürtel an dem jeweiligen Eisrande dar. Das 
Klima ist ein ozeanisches, welches auch den viel berufenen südlichen 
Charakterpflanzen der Höttinger Breccie die Existenz ermöglicht. „Die post 
glaziale Flora steht nicht unter dem Einflüsse der Temperaturzunahme, son 
dern der Niederschlagsabnahme.“ Damit vereinigt sich auch der „kosmo 
politische“ Charakter der Fauna, in der Wald- und Steppentiere gleichzeitig 
Vorkommen. 
Für das Verständnis der Erscheinungen des nordeuropäischen Inlandeises 
sind wiederholt die Beobachtungen herangezogen, welche an den großen Glet 
schern der Yakulabai in Alaska, besonders dem Malaspinagletscher, gemacht
	        
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