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Volltext: Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, 12.1902

Bugres von Santa Catharina, 
745 
bé 
hier und da an, an den Maispflanzungen oder dem Vieh der Weissen sich 
fu vergreifen, und setzten auch, um Eisen oder andere ihnen wünschens- 
Werte Gegenstände zu erlangen, ein paar Mal Überfälle ins Werk, bei 
“enen Kolonisten und ein paar Maultiertreiber, die einen Warenzug nach 
fm im Camp-Gebiet gelegenen Städtchen Lagos geleiteten, ihren Pfeilen 
"um Opfer fielen. Dies hat die ganze Kolonie in eine gewisse Nervosität 
ersetzt. Repressalien wurden ins Werk gesetzt, die aber in Abschlachtungen 
panzer Horden zur Nachtzeit in ihrem Lager umstellter Wilden ausarteten. 
Banditen, der Abschaum der Kolonie, machten aus diesen Bugre-Jagden 
Pin Gewerbe, und es gab leider Grundbesitzer in der Kolonie, die zur 
Phgeblichen Sicherung ihres Besitzes die Mörderbanden zu solehen Jagden 
| Angen. Man kann auch der Presse der Kolonie, vor allem dem ,Urwald- 
Poten“ in Blumenau, den Vorwurf nicht ersparen, dass sie diese feigen 
Abschlachtungen entschuldigten und verherrlichten. Bei jedem Uberfalle 
Pllegten die Mörder ein paar Frauen und Kinder am Leben zu lassen, 
|" sie als Beleg für den gelungenen Überfall als Gefangene in die 
j'^lonie zurückzubringen. Diese hat man zum grossen Teil in die Klóster 
erteilt wo sie aber zumeist sehr bald an Krankheiten, an Mangel an 
Pflege oder an anderen schädlichen Einwirkungen der Zivilisation zu 
""unde gingen. Jüngst hat aber ein seit langen Jahren in der Kolonie 
""süssieer deutscher Arzt, Dr. Hugo Gensch, um den Beweis zu liefern, 
"48$ diese Wilden sehr wohl zivilisierbar sind, .ein bei einer der letzten 
peser Jagden gefangenes Mädchen, die in der Überschrift genannte 
‚Orikrä, in seinem Hause aufgenommen, und seine und seiner Familie 
liebevolle Pflege hat in der Tat Wunder an dem Kinde vollbracht. 
l7. Dr. Gensch hat über die Resultate, die er mit diesem Kinde erzielt 
"at, eine kleine Schrift geschrieben, die aber zu umfangreich ist, um sie 
"1 dieser Stelle zum Abdruck zu bringen. Ich hoffe, sie anderweitig 
scheinen lassen zu können. Aus dem Munde dieses Bugre-Mädchens 
l'at Hr Dr Genseh auch das Vokabular aufgenommen, das hier unten 
let. Ich habe nicht viel daran geändert. Ich habe die Worte geordnet, 
[^mit man ohne Schwierigkeiten Vergleichungen mit anderen Vokabularen 
‘Ornehmen kann. Die Orthographie habe ich ini grossen und ganzen 
PO Selassen, wie der Autor die Worte wiedergeben zu müssen glaubte, 
Also aueh das seh und tseh der Einfachheit halber gelassen. Nur das 
abe ich konsequent durchgeführt (der Autor setzte häufig vor a, o, u ein 6), 
Au Portugiesische nh habe ich mit ny wiedergegeben und das von dem 
| ütor gebrauchte j vor a, o, u, das wie das y des Standard-Alphabets 
ten soll, durch y ersetzt. Vor e, i soll das j, das der Autor schrieb, 
bi das portugiesische j, also wie à des Standard, lauten. In diesen 
h .9n habe ieh das j gelassen. Die Diphthonge ai, ei, au, a0 und den 
AL ae hat der Autor durch einen über beide Buchstaben gesetzten 
Ich bezeichnet. Ich habe, da die unmittelbare Wiedergabe im Drucke 
"Awierie schien, dies dureh af, e, dd, aö, a& ersetzen lassen. 
y. um Sehlusse sei mir noch gestattet, einige der Nachrichten über die 
p ältnisse deg, Stammes, die, Dr, Gensch von dem Bugre-Mádchen 
ühr und in der oben genannten Schrift mitteilt, hier wiederzugeben. 
Sit: LTT fir Bini Jahrg. 1908. Heft 5. 
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