Volltext: Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, 11.1901

Büeheráñzeigen . 
alt ge than " . „ Ein X für ein U nvachen " findet hier eine neue und beachtenswerte Beleuchtung . Hochzeitsbräuche , die Krönung der Maikönigin ( warum denn gerade ein Bauermädchen ? Der rusticus vorher hat ja damit nichts zu schaffen ! ) reihen sich an . Zu grübeln giebt das Abziehen des pil ( l ) eus hospitalis . Strafeli für brecherische Tiere und Menschen , das Bahrrecht berührt Berthold . Die drei ictus mortis halte ich aber nicht für Todesstrafen , sondern für drei Angriffe des Todes auf den Menschen , drei Stadien des Absterbens . Beim Stigmatisieren der Verbrecher und dem französischen T . P . der Bagnosträflinge fiel mir Andersens Roman O . T . ein : mit diesen Buchstaben zeichnete das Zuchthaus ( tugthuus ) von Odense seine Insassen . An der eigenartigen Einsetzung des kärntischen Herzogs sind auch die Rechtsaltertümer 2 , 353 ff . nicht vorübergegangen . 
In den Beigaben teilt Sch . aus der Fülle seiner Sammlungen noch eine grosse Zahl von Segen und Beschwörungen mit und liefert Zusätze zum Hauptteil . Meine Angaben konnten seinen Inhalt ganz und gar nicht ausschöpfen , auch von den umsichtigen Erörterungen der einzelnen Stellen und der Masse der litterarischen Nachweise keinen Begriff geben . Aber hindeuten muss ich noch auf die dischen Winke für die Ausnutzung derartiges Materials und auf die ruhige schätzung seines Wertes für die Volkskunde , wobei im besondern die Segen klassifiziert und gewürdigt werden . Die Mahnung , die mittelalterlichen schriften auszubeuten , möge Gehör finden und ebenso reiche Erträge hervorrufen , wie diese vorbildliche Arbeit uns bietet . 
Berlin . Max Roediger . 
Knisella Farsetti , Quattro bruscelli senesi preceduti da uno Studio sul bruscello in genere . Firenze , Seeber , 1899 . XL . 48 S . 8o . 
I 
Wie der Begriff der volkstümlichen Dichtungsart zu bestimmen sei , die man in Toskana bruscello nennt , ist nicht leicht zu sogen . Dass das Volk selbst die verschiedenen Namen , mit denen es seine im Freien sich vollziehenden Aufführungen von Unterredungen in strophischer Form zwischen mehreren Personen bezeichnet , so sorgfältig voneinander scheide , wie es für den wissenschaftlichen Beobachter bequem sein würde , scheint mir nicht gewiss . Die Bevorzugung der Oktave als Form der dichterischen Rede , die Verknüpfung der Oktaven untereinander durch Reim zwischen dem Schluss der einen und dem Beginn der anderen , daneben Verwendung kürzerer Strophen für die Scenenschlüsse sind wohl den meisten bruscelli eigen . Daneben aber geht die grösste Ungleichheit in Bezug auf die Gebiete einher , denen die Stoffe entnommen sind : ist hier die Götterwelt der Alten , dort die antike Heldensage die Quelle , aus der geschöpft wird , so sieht anderwärts der Zuschauer sich vorgeführt , was in seiner Umgebung sich täglich vollziehen kann , oder hat er Gelegenheit , lächerliches Gebahren seiner Zeitgenossen in lustiger Verzerrung dargestellt zu finden . 
Ist manchmal eine kleine , einfache Handlung gegeben , oder auch eine längere Reihe von Begebenheiten in wenige Strophen von Reden und Gegenreden zu - sammengefasst , so ist anderswo über das blosse Auftreten und Sichselbstvorstellen göttlicher Persönlichkeiten kaum hinausgegangen . Natürlich ist auch das gestaltende Vermögen der ( zum Teil bekannten ) Urheber solcher Spiele sehr ungleich ; manche sind Lesens und Schreibens kaum mächtig und nicht immer sicher , das Mass des elfsilbigen Verses richtig zu treffen , andere versuchen höher gehenden Anforderungen zu genügen . Die Verfasserin giebt über die heute noch nicht seltenen Aufführungen 
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