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Volltext: Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, 10.1900

Protokolle . 
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Empfindung bringt diese Laute hervor , wie sie sich auch im Schimpfwort entlädt . Diese werden übrigens zum Teil vom Volk in ziemlich harmloser Weise als reden gebraucht , schwächen ihre Bedeutung ab und verlieren alle Anschaulichkeit . Im Grunde wollen sie schädigen und reizen , während der seiner Entstehung nach verwandte und sich ähnlich entwickelnde Fluch ursprünglich Schaden abwehren will . Zu Schimpfwort und Fluch stellt sich noch das Anreden lebloser stände oder Tiere , das einfache Wiederholen des bereits Gesagten — alles schliesslich eine Wortverschwendung . Neben ihr geht innerhalb gleichgestellter Klassen und Berufe Wortknappheit einher , und zwar dann , wenn Vorgänge zum Reden veranlassen , die den Sprechenden nicht innerlich berühren , sein Empfinden nicht steigern . Um Eindruck zu machen , greift man zu fremdartigen , unbegriffenen , ja sinnlosen Bildern und Vergleichen . Solche Wendungen werden in der Stadt leicht stereotyp , eher als auf dem Lande , wo sie auch minder gekünstelt zu sein pflegen . Sie können zu Gesprächen führen , bei denen kaum noch gedacht wird , die aber trotzdem einen gescheidten , witzigen Eindruck hervorrufen , während der Landmann schwerfällig erscheint . Der Redner hob noch die schiebungen in der Volkssprache hervor , die Furcht und Abneigung seine friedenheit zu bekennen , die Neigung zum Misstrauen , Räsonnieren und Urteilen . Der Sprecher stellt sich dabei in den Mittelpunkt oder Vordergrund und möchte mitreissen , Stimmung machen . Die ruhige Überlegung leidet darunter , und das Wort wird fast zum blossen Laute , wie jene Interjektionen des erregten Gefühles sind . — Herr Sökeland führte einen Schimmelreiter ( vgl . Zeitschr . 7 , 23011 . ) vor , dessen Ausrüstung er erworben und dem Museum für Volkstrachten geschenkt hat . Er sah ihn am Aschermittwoch dieses Jahres in Niemaschkleba bei Guben in Thätigkeit . Dort ist er bisher regelmässig erschienen . Er ist in eine anliegende weisse Jacke gekleidet , trägt eine kleine weisse Kappe und hat das Gesicht weiss angemalt . Seine Beine stecken in dem Schimmel , dessen Vorder - und Hinterteil durch zwei Siebränder gebildet ist , über die ein weisses Tuch herabhängt , und dessen Hals aus einem ausgestopften . weissen Frauenstrumpf mit aufgemaltem Maul und Augen besteht . Der Schimmelreiter oder Schimmel ist verwandt mit dem in der Rheinprovinz , Westfalen und Holland am 6 . Dezember erscheinenden heil . Nikolas , stellt sich aber auch dort und in Mecklenburg an einigen Orten zum Weihnachtsabend ein . Man nennt ihn Klas , Klawes Bur , Bullerklas , in Mecklenburg Ruklas . Der Vortragende teilte mecklenburgische Sprüche und eine Geschichte von ihm mit , die er Herrn R . Wo s s idi o verdankt . — Zum Schlüsse liess Herr Sökeland aus seiner Erinnerung eine Heilmittelverkäuferin vor den Zuhörern lebendig werden , die er vor Jahren in Namur beobachtet hatte . Sogar die Musik der eleganten Marktschreierin fehlte nicht . 
Max Roediger .
	        
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