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Diese therapeutische Trias der Urmedizin erfuhr erst durch die artigen Ablösungsformen des blutigen , d . h . Kult - Tier - Opfers eine namhafte mehrung des damaligen Arzeneischatzes . So lange die Medizin in den Banden des Kultes sich befand , war das blutige Kultopfer ein Allheilmittel , welcher samkeitsglaube sich auch auf das Rudiment und Substitut des blutigen Kultopfers übertrug . Erst mit dem Verschwinden des letzteren konnten die verschiedenen Mittel aus der Sphäre der Tierwelt vom alles versuchenden Menschen , der Hilfe in Krankheitsfällen erlangen wollte , in ausgedehnterer Menge zur Verwendung gelangen ; dabei dauerte aber die Herrschaft des Kultortes , der Kultzeit u . s . w . immer noch an ; denn kein volles Opfer verschwindet ohne Rudimente oder deutungen seiner ehemaligen Kultbestimmung zu hinterlassen .
Jiihling hat nun die mühevolle Aufgabe übernommen , die in den Codices der Dresdener Königl . Bibliothek auffindbaren Arzneimittel aus der tierischen Sphäre auszuziehen und übersichtlich gesammelt in Buchform herauszugeben , eine Aufgabe , die eine gewisse Begeisterung oder Liebe zum Stoffe voraussetzt , aber auch berechtigten Anspruch auf den Dank gleichgesinnter Forscher 'machen darf , für die ja Jiihling sich nach seinem Vorworte in erster Linie der langwierigen und mühseligen Arbeit unterzog .
Das J . sche Buch teilt sich in vier Abschnitte . Der I . und Hauptteil behandelt diejenigen Tiere , welche zur Materialkammer der Volksmedizin Beiträge abgeben ; dies sind vor allem die das ehemalige Menschenopfer im Kulte ablösenden Haustiere , deren blutiger Opfertod durch den des blutig erlegten Jagdtieres ersetzt wurde , so dass Teile des letzteren einen volksmedizinischen Heilwert erlangten , z . B . Hase , Hirsch , Huhn u . s . w . ; weiterhin diejenigen Tiere , welche die Elbengestalt vorstellen konnten oder die , weil unheimliche kriechende Gestalten , als Fetischtiere galten , welche Gift anziehen oder absondern . Solche Tiere gehörten zum Reiche der teuflischen Dämonen und konnten durch den Wortzauber gebannt oder dem Heilkünstler dienstbar gemacht werden .
Der Ii . Abschnitt „ Anhang " enthält grössere Auszüge aus geschriebenen älteren Arzeneibüchern , die auch andere als tierische Mittel enthalten , z . B . konzeptionelle Mittel , Wund - und Blutsegen , Schwindsuchtsegen , Pflanzengrabsegen , auch „ einen Wundsegen , ehe der ( infizierende ) Baibier dazukommt " u . s . w .
Das III . Kapitel „ Erklärung der vorkommenden Krankheitsnamen " ist durch die in den vorangegangenen Kapiteln gegebenen bezüglichen Fussnoten überflüssig und wäre in dem „ Nachschlagebuche " besser durch ein sorgfältig angelegtes Krankheitsnamen - oder Sach - Register zu ersetzen , wofür dem Autor sicher jeder Forscher mehr Dank wüsste als für die nicht immer richtig abgeschriebenen Kopien aus des Referenten Krankheitsnamenbuch .
Der „ Nachtrag " enthält wieder volksmedizinische Mittel .
Das „ Quellen - Verzeichnis " führt 116 Büchertitel auf .
Wenn J . 's Buch auch ein Erstlingswerk ist , so muss man ihm , der so viel Zeit und Kenntnisse an dieses Gebiet der Volkskunde und Medizingeschichte wendet hat , doch für die sorgfältige Drucklegung und Sichtung des bisher druckten Materials danken , und obwohl Referent dem Buche bereits ein Geleitswort beigegeben hatte , so hat sich derselbe doch auf AVunsch des allverehrten Herrn Geheimrats Weinhold entschlossen , auch in dieser Zeitschrift ein gutes Wort dafür einzulegen , das es wirklich verdient .
M . Höf 1er .