Die Püppchen der Mossi in Obervolta
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mehr dazubekommen, obschon seine Puppen nur 25 frs kosteten. (Soviel Bargeld verdient
nicht jeder am Tag. Die Katechisten erhalten 500 frs = 8 DM im Monat.) Als Arbeits
dauer für eine Puppe rechnete er drei Stunden. Nimian bevorzugte dazu das Holz des
Nephlier-Baums, weil es nicht reißt. Andere nehmen Cibra-Holz oder das vom Faux-
Capoquier, beide welcher und schneller zu bearbeiten als das im Grunde beste vom Karite-
Baum.
Ein bekannter Puppenschnitzer war auch Lalle Belem-Sagha aus Bugtenga, der
1971 starb. Er war kein Schmied, sondern Lederbearbeiter gewesen. Sein Enkelkind
Hado zeigte eine angeblich fünf Jahre alte Puppe von ihm, die sie Bila ( — kleine) Marie
nannte.
Nicht bloß die Konkurrenz durch europäische Puppen hat die alten Mossipüppchen
verdrängt. Es gibt sogar Gewissenskonflikte: Ein Schmied und Töpfer aus dem Koupela
nahen Töpferdörfchen Tibe lehnte meine Bestellung für Püppchen ab, weil er keine
Modelle mehr besitze. Sein kleiner Neffe verriet mir nachher, das sei nicht der Grund.
Er wolle sie nicht mehr hersteilen — nun als Christ — „aus Furcht vor den Fetischen“. —
Ein Hinweis darauf, daß auch mit diesen harmlosen Püppchen alter Glaube und Kult
verbunden waren. Überraschend war die Entdeckung eines neuen, besonders schönen
Puppentyps im Schmiededorf Kobundum (= Springwasser), westlich von Andemtenga,
wo trotz der Abgeschiedenheit heute keine Puppen mehr hergestellt werden. Ein noch
lebender Schnitzer namens Namsigya aus Tanga bei Piela (30 km nordwestlich von
Kobundum) hatte sie vor knapp fünf Jahren gemacht. Eine zweite Puppe desselben Typs,
doch mit Leder bezogen und kleiner, war angeblich vor 40 Jahren entstanden. Später
fand sich noch eine, genau wie die erste, doch mit viel älterer Patina, so daß es sich um
keine neue Formgebung handeln kann. Überall wurde diese Puppe bewundert, so daß
sie den Ehrentitel Nabiga = Häuptlingstochter bekam (Abb. 2).
Abb. 2 Neuer Typ mit Rüssellocke aus
Kobundum (Typ D).