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Weiße Väter,
Der Kungo stammt vom Rungwa, jenseits des Ikwa-Sees. Sie fertigen
ihn aus starken Ruten. Der Kungo sieht aus wie ein großer Trichter ohne
Rohransatz.
Den Kungo stülpen sie mit der weiten Öffnung ins Wasser. Mit der
Hand greifen sie dann oben hinein, um die Fische zu fassen, die sich fangen
ließen.
Mit Msege und Kongo fangen sie fast ausschließlich Kambale.
5. Die Fischerei mit Reusen.
I. Mgono.
Ich konnte in Utinta keine Mgono zu Gesicht bekommen. Im See ver
wenden sie sie nicht mehr und in Bächen selten. Vor wenigen Jahren noch
legten die Fischer immer solche Reusen im Bache nahe beim Dorfe. Aber
die Krokodile verdarben oft die ganze Anlage und schließlich wurde ein Fischer
von einem Krokodil bei den Reusen gefaßt. Seitdem steht dort ein Fischzaun,
der auch oft von den Krokodilen zerrissen wird.
Ich ließ daher einen Mgono anfertigen (Abb. 9). Man munkelte zwar,
die Reuse sei nicht ganz so, wie sie sein sollte. Aber später sah ich welche
verwenden und die sahen auch nicht anders aus als die, die man mir geliefert
hatte. Nur waren die echten aus dünnen Ruten und die andere aus Rohr.
Die Reusen sind etwa 2 m lang. Auf einer Seite sind sie zugebunden.
Auf der anderen haben sie etwa 50 cm Durchmesser und da ist der düten-
förmige Einschlupf angebracht. Man kann mit der Hand eben durch die
Öffnung.
Eine Öffnung zum Herausnehmen der Fische wurde erst nachträglich
gemacht, wenn der erste Fang herausgeholt werden sollte. Das Loch wurde
nachher verschnürt.
In Bächen legten die Fischer die Reuse auf den Grund hinter einen
Rohrzaun. Im See wurden die Reusen mit Anker und Schwimmer versehen
und in der Nähe großer Steine versenkt, aber nicht tief.
II. Kisoi.
Die Reuse kann nur im See verwendet werden. Auf der Kongoseite
des Tanganyka sollen die Visoi (Mehrzahl von Kisoi) mit drei Kammern ge
bräuchlich sein. Wer in Utinta ein Dreikammer-/(7s£V herstellt und verwendet,
von dem sagen die Leute, er habe nicht Zeit gehabt, eine Reuse mit vier
Kammern herzustellen oder er sei zu faul gewesen, genügend Material für
eine Vierkammerreuse zu suchen.
Es dauert immerhin einen vollen Monat, bis alles beisammen ist für ein
Kisoi. Wenn dann ihrer sechs bis acht Mann ans Werk gehen, so bringen sie
in zwei Tagen ein Kisoi fertig. Die Reusen werden am Strande hergestellt,
um sie dann gleich auf den Kahn verladen zu können.
Die Visoi bestehen aus drei oder vier Einzelreusen, die in Dreieck- oder
Kreuzform an den Rändern miteinander verbunden sind. Der Raum zwischen
den Reusen wird zur Eingangskammer hergerichtet.