Volltext: Zeitschrift für Völkerpsychologie und Sprachwissenschaft, 11.1880

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H . Steinthal , 
Zeus des Phidias , in gewöhnlicher Menschengröße ausgeführt , übrigens mit Beibehaltung aller Verhältnisse , würde in seinem Gesammt - Eindrucke verlieren . Ebenso muss jedes der kannten Aphroditen - Bilder eben so wohl in kolossaler Größe , wie in puppenhafter Kleinheit , wenn auch noch so ähnlich gehalten , eine veränderte Wirkung haben und sicher minder gefallen , wovon man sich täglich überzeugen kann . Jedes echte Kunstwerk hat seine ihm angemessenen Dimensionen , und verliert eben so sehr wenn es vergrößert wird , wie wenn es verkleinert wird . 
Gelegentlich definirt Herbart ( S . 39 ) die Vollkommenheit als »angemessene Größe« . So hätte er zu sagen gehabt , wem angemessen die Größe sein soll . 
Trendelenburg hat schon auf diesen Mangel eines Ziels und »Zweckes« bei Herbart hingewiesen . Wie gewinnend nun auch solche Reden klingen mögen : der besonnene Denker , der es erfahren hat , wie leicht sich in der Wissenschaft der Natur und der Geschichte hinter der Zweckbetrachtung jedes beliebige Vorurteil verbergen kann , wird auch in der Ethik das Hereinziehen von Zwecken und Bestimmungen des Menschengeschlechts nicht ohne Furcht bemerken ; und sieht er dann sehr bald , wie als Zweck der Besitz gewisser Güter und die Glückseligkeit aufgestellt wird , so hat er zu fürchten auch schon aufgehört . Denn wer es zur Aufgabe macht , die sittliche Welt zur Glückseligkeits - Anstalt einzurichten und jeden Menschen mit dem zu beglücken , was er , der soph , für Güter hält : von dem will ich wenigstens mich nicht beglücken lassen , und ich kann kaum zugestehn , dass wir uns bei solcher Anschauung noch auf dem Boden der Ethik bewegen . 
Wenn die theoretische Vernichtung , welche die und Glückseligkeits - Lehre durch Kant erfahren hat , den betern der Macht und des Gelingens nicht behagen mochte ; wenn sie den herrnhutisch und den quietistisch und den aristotelisch gestimmten Gemütern zu rauh , zu treibend und zu leer erschien , und wenn sie sonst noch zu Witzeleien An lass gegeben hat : so können wir , meine ich , in unsern
	        
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