Volltext: Zeitschrift für Völkerpsychologie und Sprachwissenschaft, 9.1877

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tigkeit haben , wie im Leben des einzelnen ; ohne einigen über die profanen Bedürfnisse des Lebens hinausgehenden Luxus des Geistes möchte es kaum ein Volk geben , selbst in der unwirtlichen Eisregion nicht . Erwarten muss man , dass die Kunst eines Volkes nicht ohne Beziehung ist zu der in seiner Sprache ausgeprägten ästhetischen Richtung , denn die Sprache ist selbst eine geformte Welt voll von ästhetischen Zügen * ) ; zu niedern Kunstleistungen würden a priori die Völker beanlagt scheinen , deren Sprachen los sind und besonders die , welche das grammatische Geschlecht nicht unterscheiden . Indogermanen , Semiten und Aegypter wären danach , wie sie die besten Sprachen haben , auch zu den besten Leistungen in der Kunst befähigt . 
Wir stimmen Siebeck darin bei , dass der common sense zu dumm ist , um irgendwie wertvollere ästhetische Urteile zu fällen ( S . 83 ) ; sein Gefallen ist wirr gedacht und wirr ausgedrückt . Natürlich wird dadurch niemandem das Recht bestritten schön und liässlich zu finden was ihm beliebt . 
Auch ist das ästhetische Urteil viel weniger Sache gemeiner Einstimmung als es scheinen könnte : de gustibus non est disputandum . Auch hier ist das Urteil der großen Menge nicht entscheidend ; öfter hat die Anerkennung deutender künstlerischer Leistungen von einem kleinen Kreise aus sich nur allmählich verbreitet . 
Ein Beweis dafür , dass die Kunstleistung hauptsächlich mit schwingenden Vorstellungen bewerkstelligt und genossen wird , ist auch das späte Auftreten der Aesthetik , eine sache , die zu bekannt ist , als dass sie geschichtlich erläutert zu werden brauchte . Bei der allgemeinen Betrachtung der Künste wird uns die Frage nahe gelegt , welche Rolle die Kunst im Haushalt des geistigen Lebens spielt , in doppelter Hinsicht : welchen Wert besitzt die Kunst für die »Cultur der Gemütskräfte« ? wie hing das Auftreten der Künste in 
röm . Litteratur von Prof . AI . Riese , Frankf . a . M . 1875 , 46 S . 4 . eine durch Kenntnisse und Methode gleich ausgezeichnete kleine Schrift . 
* ) Jac . Grimm , Kl . Schriften II 366 f . III 427 f .
        

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