Volltext: Zeitschrift für Völkerpsychologie und Sprachwissenschaft, 9.1877

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Nach der geschichtlichen Seite hin betrachtet handelt es sich um den Ursprung und die Entwickelung der Künste , ein Problem , mit dem sich bekanntlich M . Carriere tigt hat . Der Ursprung aber kann nur in denselben nissen begründet sein , die heute noch zur Production von Kunstwerken antreiben . Zunächst nötigt das Bedürfnis und bei entwickelnngsfähigen Völkern werden diese ersten nisse stetig vervollkommnet . Religion , Kunst und Spiel liegen als Genuss nach der Arbeit ursprünglich zusammen ( Steinthal a . a . 0 . § 33 ) ; da aber die an den Mythus gefesselte gion in primitiven Zeiten ganz und gar das primum agens im Volksgeist ist , so bestimmt sie bekanntlich nach ihren Bedürfnissen die ersten Leistungen der Kunst . Das gnügen die Natur nachzuahmen kann schwerlich in jenen ursprünglichen Zeiten für den Menschengeist bestimmend wesen sein ; denn die in den ältesten Kunstwerken ( den tischen Malereien , den assyrischen Reliefs , den ältesten chischen Sculpturen ) vorhandene NaturunWahrheit konnte nicht übersehen werden — auch gibt es ja die Sphinxe und andre Fabelwesen — und doch wurden diese Kunstwerke nicht verachtet , weil sie der Beschauer aus eignen geistigen Mitteln ausstattete . Bloße Naturnachahmung ist nie eine Kunst gewesen und ihr , von Piaton und Aristoteles gehobener mimetischer Charakter hat für uns nur den Sinn , dass sie auf Reproduction beruht und ihre Erzeugnisse uns commensurabel sein müssen . Zur allmählichen Vertiefung des Ideals trug natürlich der Kunstbetrieb , die Technik nicht wenig bei , wie in der Malerei die zunehmende Fähigkeit der perspectivischen Darstellung . Das Gefühl für die Natur , nach Völkern und Zeiten verschieden , musste Poesie und Malerei beeinflussen , wie A . v . Humboldt ( Kosmos II zu Anf . ) und Schiller ( über Matthissons Gedichte ) bemerkt haben . Nicht unerwähnt möchte ferner die Idealisirung der Naturvölker bleiben , die weder dem Altertum fremd war noch uns fremd ist * ) . Im Gesammtgeist wird das Kunstleben dieselbe 
* ) Die Idealisirung der Naturvölker des Nordens in der griecli . und
        

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