Zur Geschichte der Sprachwissenschaft der neuern Zeit . 379
Menschen anerschaffen wissen wollte , weil er es für Gott nicht anständig hielt , „ einen Sprachlehrer abzugeben " . — In den Prolegomenen zur Biblia sacra polyglotta des Brian Walton aus dem siebzehnten Jahrhundert wird gezeigt , daß Adam wie mit aller Vollkommenheit so auch mit Vernunft und Sprache uranfänglich ausgerüstet dastand , denn er war im Ebenbilde Gottes erschaffen , und wie hätte er anders — was die heilige Schrift bezeugt — die rufende Stimme seines Schöpfers im Garten verstanden ? — Nun entkleide man jene Darstellungen aus dem vorigen Jahrhundert , Hamann's und Herder's , ihres poetischen Schmuckes und mystischen Beiwerks , — entkleide sie , wie man doch wohl muß , alles dessen , was nicht sieht , wer mit nüchternem , prosaischem Sinn an die Frage herantritt , wem jenes dritte Auge und Ohr sehlt , womit höher Begabte den Urgrund kabbalistischer Weisheit erschauen , den Himmel offen sehen und der Engel Hallelujah vernehmen ; man entkleide sie aller jener überschwänglichen Pracht und Herrlichkeit , und übrig bleibt — der einfältige Glaube von vor hundert und tausend Jahren . Denn der Glaube bleibt aller Zeit unwandelbar , ohne Fortschritte , wie ihn die Wissenschaft kennt , und ohne Beweis , wie ihn die Wissenschaft verlangt ; sein besserer und bester Be - weis ist Mangel alles Beweises , denn Glaube ist keine Wissen - schast .
Die Frage nach dem Ursprung der Sprache blieb auch ferner aller Welt Räthsel und Problem . Ein Jahr um das andere brachte einen neuen Lösungsversuch . — Versuche eines Fulda , Adelung u . a . aus dieser Zeit gehören in einen andern Zusammenhang . — Der geistvolle Engländer , James Burnett , Lord Monboddo schrieb ein Werk „ über den Ursprung und Fort - gang der Sprache " , darin wieder der menschlichen Erfindung das Wort geredet , doch im Verlauf einer zwanzigjährigen Arbeit , 1773 - 94 , auch gelegentlich übermenschliche Hilfe angesprochen war . Herder , der zu der deutschen Übersetzung , 1784—85 ein Vorwort schrieb , empfahl das gelehrte Werk seinen Landslenten . Die Deutschen aber griffen noch immer gern zu der Preisschrift vom Jahre 1770 , die zuerst 1772 und dann in zweiter Auflage 1789 gedruckt erschien .