Der Marke
war Te - Moana sehr wild und sah sich eines Tages in Folge eines gegen ihn ausgebrochenen Aufstandes genöthigt , Zuflucht auf einem englischen Schiffe zu suchen , das ihn nach London brachte . Er liebte es später nicht , von dieser Reise zu sprechen , während deren er manche eines Häuptlings nicht würdige Behandlung erfahren mußte . Hatte man ihn doch sogar in London für Geld sehen lassen .
Das Klima der Markesas - Jnseln gilt , obgleich es warm und feucht ist , für sehr gesund . Der Wechsel zwischen der trockenen Jahreszeit und der Regenzeit ist nicht immer be - stimmt begrenzt . Es regnet gewöhnlich in den Monaten Mai , Juni und Juli , während im November und December die Vegetation durch große Dürre zurückgehalten wird . In manchen Jahren erreicht die Trockenheit einen solchen Grad , daß die Bäche wasserleer werden und die Früchte nicht zur Reife gelangen . Dann tritt Huugersnoth ein , wenn die Eingeborenen nicht bei Zeiten für große Vorräthe von Popoi gesorgt haben .
Die Markesaner sind ziemlich schweigsam , und wenn sie sprechen , so geschieht solches in einem tiefen Basse und indem
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sie die einzelnen Silben ihrer Sprache scharf betonen . Auch die Frauen und Kinder haben verhciltnißmäßig sehr kräftige Stimmen . Die Sprache selbst ist einer der uuausgebildetsten Dialekte Polynesiens , sie enthält viele k und eine große Menge von Nasaltönen . Auf der südöstlichen Inselgruppe ist sie weniger hart , da hier an die Stelle des k das n tritt und das scharf afpirirte k durch ein f ersetzt wird . Selbst unter den Stämmen ein und derselben Insel herrscht bezüglich der Sprache Verschiedenheit .
Ueber die großen Feste , welche die Eingeborenen bei be - stimmten Gelegenheiten feiern , hat Jon an in seinen Memoi - ren Mittheilungen gemacht .
Es ist nicht zu verwundern , daß in einem so warmen Klima die Bewohner zur Trägheit neigen und zwar um so mehr , als die Natur Alles thut , um ihnen die Sorge für ihren Unterhalt zu ersparen . Nur der Reiz des Vergnügens und zuweileu die Eigenliebe ist geeignet , diese schweigsamen Menschen aus ihrer Apathie aufzurütteln . Oft beschäftigt sich ein Stamm drei bis vier Jahre hindurch mit den Vor - bereituugen zu einem Feste , welches aus Anlaß des Todes
eines Häuptlings , oder der ersten Tättowirnng eines Jüng - lings von hohem Range , oder der Einweihung irgend eines vollendeten Werkes , wie z . V . einer Piroge , eines Hauses , gefeiert werden soll .
Der alte Gebrauch , „ den Kesselhaken aufzuhängen " , wird genau beobachtet uud man begeht bei dieser Gelegenheit ein Fest , eine Koika , zu welchem die befreundeten Stämme geladen werden . Im Ofen gebratene Schweine , Banianen uud Fische werden vorher zubereitet und am Vorabend mit großer Feierlichkeit und unter wildem Geheul aus den öffent - lichen Platz gebracht . Der Tag des Festes selbst wird durch die Weisen des Stammes bestimmt , gewöhnlich fällt er in die Zeit , wo der Mond im ersten Viertel steht . Die Nacht hindurch schläft man wenig . Die kräftigen Männer ver - weilen , indem sie singen und Kava genießen , in den am Platze liegenden Hütten , während die anderen sowie die Frauen und Kinder ihre Anzüge herrichten . Die Kinder besonders spielen eine große Rolle bei der Koika . Tage , ja oft Monate vorher reibt man sie mit dem Safte gewisser Pflanzen ein , um ihre Haut zu bleichen , dann badet und
wäscht man sie und hierauf kleidet man sie an . Einige wer - den in mehr als hundert Meter Tapa eingewickelt , während der Kopf mit einem Diadem von Turteltauben - oder Papa - geienfedern uud darüber mit einer vollständigen Mütze von weißen Barthaareu geschmückt wird . Die Rückseite des Kopfes wird mit einem Stück Tapa iu der Weise verhüllt , daß eine Art Cocarde in der Breite eines Meters entsteht .
Bei Tagesanbruch ertönen die Trommeln auf dem öffent - lichen Platze uud ihr Lärmen wird mit einem furchtbaren Geheul begleitet . Die Geladenen finden sich nuu auf dem Platze ein , die Frauen setzen sich auf die Paepae ( die Platt - formen , auf denen die Hütten stehen ) , während die Männer einen Kreis bilden , um unter Trommelbegleitung die Thaten und die Bündnisse des Stammes zu besingen . Dabei schlagen sie die Hände an einander oder auf die Lenden , oft so hes - tig , daß Blutstropfen durch die Haut dringen . Diese Ge - sänge und Gesticnlationen heißen das U laula . Der Gesang besteht in einer monotonen Recitation , zuweilen durch Geheul unterbrochen . Nimmt man dazu das wilde Aussehen der Betheiligten , von denen manche am Gürtel mit kleinen Stei -
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