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Objekt: Zeitschrift für Ethnologie, 91/92.1966/67

  
Die Gemeinschaftswohnung der XIRIANA am Rio Toototobi 
(Beitrag zur Kenntnis der Yanomami-Indianer in Brasilien‘) 
Von 
René Fuerst, Genf 
Mit 19 Abbildungen 
Yanomami, beziehungsweise Yanonami oder Yanoama, die ,Stimme des 
Hauses", wie Schuster (1958) diesen Begriff übersetzt haben móchte, ist die 
Selbstbezeichnung zahlreicher, zum Teil noch unbekannter Stámme und Stam- 
mesgruppen zwischen dem Rio Negro und Rio Branco einerseits, dem Rio 
Orinoco andererseits, im Grenzgebiet von Brasilien und Venezuela. 
Die vólkerkundliche Erforschung dieser Indianer, die sich kórperlich, 
sprachlich und kulturell kaum voneinander unterscheiden, regte 1911—1912, 
im Verlauf seiner berühmten Roroima-Orinoco-Reise, schon Koch-Grünberg an. 
Durch seinen frühen Tod 1924 am Rio Branco war es ihm nicht mehr vergónnt, 
Forschungen in dieser Richtung durchzuführen. Die Yanomami sind als solche 
erst bekannt geworden, nachdem sie 1954—1955 von Zerries (1956) in Südost- 
Venezuela und 1955—1956 von Becher (1957) in Nordwest-Brasilien unter- 
sucht worden sind. Die weitgehende Übereinstimmung zwischen den von 
diesen Forschern besuchten Indianern erlaubte von einem einheitlichen 
groBen Volke beidseitig der Serra Parima zu sprechen, das sich von allen 
umwohnenden Stámmen stark unterscheidet. Als ganz besonderes Merkmal 
der Yanomami sei hier nur ihre Kleinwüchsigkeit und Hellháutigkeit, wie sie 
sonst im Amazonasgebiet lediglich von den Maku zwischen dem Rio Negro 
und Rio Yapura bekannt ist, erwähnt. 
Zu den Yanomami gehören auch die Indianer vom oberen Rio Demini und 
seinen nördlichen Nebenflüssen Toototobi und Mapulau, deren Quellen sich 
nahe der brasilianisch-venezolanischen Grenze und des südlichen Orinoco- 
Nebenflusses Ugueto befinden. Es handelt sich dabei um die sogenannten 
XIRIANA vom mittleren Rio Toototobi und ihre unmittelbaren Nachbarn, die 
Pakidari, Parahuri, Hukoteri und Hayoteri, deren Wohnsitze sich am Oberlauf 
der Flüsse Araca, Toototobi, Demini und Mapulau feststellen lassen. 
Als ich 1962, während der Monate März und April, zu völkerkundlichen 
Studien und Sammlungen im Dorf der XIRIANA weilte, war es mir nicht nur 
vergónnt, Vertreter aller genannten, untereinander befreundeten Stámme oder 
Stammesgruppen kennenzulernen, sondern auch mitzuerleben wie meine Gast- 
geber, zusammen mit den Gewehre besitzenden Pakidari, gegen die nördlich 
wohnenden, angeblich zahlreichen und feindlichen Xamatari in den Krieg 
zogen. Außerdem besuchten sie zur Zeit meines Aufenthalts nicht nur die Para- 
huri, sondern auch die Hukoteri, um bei ihnen an einem Gemeinschaftsfest teil- 
zunehmen und mit ihnen Tauschhandel zu treiben. 
Von einem Stamm der Surara, wie Becher (1960) die von ihm untersuchten 
Indianer zwischen dem Rio Araca und Rio Demini benannt haben möchte, 
konnte ich allerdings nichts in Erfahrung bringen und es dürfte sich meines 
Erachtens um die bereits erwähnten Pakidari handeln. Diese scheinen sich näm- 
lich in drei Dorfgemeinschaften zu teilen, deren Wohnsitze sich am oberen Rio 
Araca, mittleren Rio Demini und unteren Rio Toototobi befinden. Ich möchte in 
 
	        
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