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ne bedeutende Weiterentwicklung, Dies läßt sich durch den Ver-
gleich mit den Forsehungsergebnissen des Sprachwissenschaftlers
Johann Severin Vater besonders deutlich zeigen, der 1810 seine
"Untersuchungen über Amerika's Bevölkerung aus dem alten Kon-
tinente" veröffentlicht hatte,
Vater, der aus einer Juristenfamilie stammte, hatte 1790 bis
94 in Jena und Halle studiert, den Doktor der Philosophie er-
worben und 1799 in Jena eine ordentliche Professur erhalten.
Er widmete sich besonders den orientalischen Sprachen und der
Iheologie!?,
1808 war er in Weimar Mitherausgeber des ersten Bandes der
Zeitschrift "Allgemeines Archiv für Ethnographie und Lingustik”"
gewesen, in dem "auch die erste Nachricht von seiner durch die
Brüder von Humboldt mächtig geförderten Beschäftigung mit den
amerikanischen Sprachen" erschien (Kuhn, 505; vgl, Bastian,
1881, 5).
Er widmete sein Werk über die indianischen Sprachen Alexander
von Humboldt, der ihm ae aus Mexiko mitgebrachten Sprachwerke
zur Verfügung gestellt hatte, Vater veröffentlichte seine Er-
gebnisse, um sie in wissenschaftlichen Meinungsaustausch zu
bringen, Deshalb schickte er eine Analyse aller ihm "bekannt
gewordenen Meinungen von der Bevölkerung Amerika's voraus, da
sie das Hauptziel und der letzte Zweck von aller jener Untersu-
chung ist" (Vater, Widmung).
Im Vorspann betonte er, daß es sich um eine theoretische Arbeit
von Europa aus, also ohne Feldforschungskenntnisse, handelte.
Er stelltefest, daß noch niemand vor ihm so viele indianisch®
Sprachen verglichen hätte. Ihm standen Materialien von mehr als
30 Sprachen zur Verfügung, und das Neue seiner Arbeit war der
absolute Sprachvergleich. Es ging ihm dabei offensichtlich um
das Cuantitätskriterium; neu war die Erkenntnis, daß zu einem
1) 1809 ging er wegen der politischen Verhältnisse nach Königs-
berg und kehrte erst 1820 nach Halle zurück, d.h, er wich po-
litischen Auseinandersetzungen aus.