16
Bericht über das Linden-Museum für das Jahr 1971
Eine andere Möglichkeit, das Ausstellungswesen zu intensivieren und die Bewohner
in Stadt und Land mehr an die außereuropäischen Kulturen heranzuführen, bietet sich
in einer engeren Zusammenarbeit mit dem Institut für Auslandsbeziehungen, das ja
neuerdings über einen eigenen Ausstellungsraum verfügt. Intensive Besprechungen mit
diesem Institut haben die sicher für beide Seiten fruchtbare Möglichkeit der Kollabora
tion aufgezeigt, und im laufenden Jahr ist an zwei gemeinsame Ausstellungen gedacht.
Auch ist in diesen Gesprächen die Frage ventiliert worden, ob es nicht sinnvoll wäre,
die riesigen Bestände des Museums durch Ausstellungen im Ausland einem größeren
Kreis von Menschen zugänglich zu machen, und zwar vor allem in Ländern, in denen
ethnographische Museen in unserem Sinne überhaupt nicht existieren.
Noch näher läge es freilich, Ausstellungen in anderen Städten des Landes zu zeigen,
wie das ja in vergangenen Jahren vereinzelt geschehen ist: So wurde eine neue Dar
bietung im Badischen Landesmuseum in Karlsruhe ins Auge gefaßt, aber das Museum
ist gerne bereit, auch mit anderen Städten oder Regionalverbänden in diesbezügliche
Planungen einzutreten. Mit Heidelberg zum Beispiel ist abgesprochen, daß die dortige
von Portheim-Stiftung eine Ausstellung „Buddhistischer Kunst“ übernimmt, die unter
Assistenz des Leiters der Völkerkundlichen Sammlungen dieser Stiftung jetzt für
unser Haus vorbereitet wird. Ähnlich haben sich Museen in Hamburg und Frankfurt
an einer Übernahme unserer Japan-Ausstellung interessiert gezeigt, wobei sich eine
enge Zusammenarbeit auch innerhalb deutscher Museen auf unsere Initiative hin ab
zeichnet: Wir wollen versuchen, da oder dort aufgebaute Ausstellungen voneinander zu
übernehmen, um die in jedes solche Unternehmen investierte Arbeit besser fruchtbar
werden zu lassen.
Eine weitere Möglichkeit, das Material des Museums unter die Leute zu bringen,
scheint darin zu bestehen, in Zusammenarbeit mit dem Fernsehen bestimmte Themen
zu bearbeiten. Auch hier darf von ersten Ansätzen und Plänen berichtet werden.
Einen zweiten wichtigen Komplex der Öffentlichkeitsarbeit des Museums bilden
die Vorträge im Wannersaal. Wie in den vergangenen Jahren, so fanden auch 1971
zwölf Freitagabend-Veranstaltungen und sechs Sonntagsmatineen statt, dazu zwei
Veranstaltungen, die chinesisches Schattentheater boten. Es ist erfreulich, feststellen zu
können, daß der Aufwärtstrend, der schon in den letzten Jahren zu beobachten war,
hier angehalten hat: Bei den eben genannten Veranstaltungen hatten wir 4932 Be
sucher. Wenn man weiß, wie schwierig es andernorts ist, die ohnehin meist geringen
Besucherzahlen bei Vorträgen zu halten, muß die ansteigende Linie besonders dazu
ermutigen, auf dem bisherigen Weg weiterzugehen, also möglichst viele gute Redner
zu gewinnen. Das Vortragsprogramm enthielt in diesem Jahr erstmalig einen neuen
Schwerpunkt: Die Sonntagsmatineen stehen jetzt unter dem Rahmenthema: „Archäolo
gie und Kunst der außereuropäischen Gebiete“. Hier wird der Versuch gemacht, die
Geschichte und Kunstgeschichte Außereuropas in Einzeldarstellungen vorzuführen.
Beobachtungen haben ergeben, daß hier eine neue Zielgruppe angesprochen und an
das Haus herangeführt wird. Es ist zu hoffen, daß bei Fortführung dieser Vortrags
reihe sich im Laufe der Zeit ein ebenso fester Stamm von Hörern bildet, wie er bei den
Freitag-Vorträgen (Erd- und Völkerkunde) seit Jahrzehnten besteht.