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Buchbesprechungen und Bibliographien
Ausgehend von der vernichtenden Kritik einer entwicklungspolitischen Mitarbeiterin Mitte
der achtziger Jahre an der gesamten Entwicklungshilfe, versucht Kievelitz zunächst die entwick
lungspolitische Diskussion um die Bedeutung sozio-kultureller Faktoren aufzuzeigen. Nach
Darstellung des gegenwärtigen ethnologischen und entwicklungstheoretischen Forschungsstan
des erfolgt eine Themeneingrenzung. In dieser Arbeit wird versucht, „die Interessen und Berüh
rungszonen von Ethnologie und Technischer Zusammenarbeit zu systematisieren und gleich
zeitig die kulturelle Basis der Entwicklungszusammenarbeit herauszuarbeiten. Als Erkenntnis
ziel steht dabei im Vordergrund, sowohl einen Anstoß in Richtung auf eine stärker anwen
dungsorientierte Ethnologie zu geben, als auch die gegenwärtige Technische Zusammenarbeit
durch wissenschaftlich fundierte Beiträge und Anstöße mit Hilfe der Ethnologie zu verbessern“
(S.30).
Ausführlich wird im ersten Hauptteil neben der Darstellung der historischen Entwicklung
der Technischen Zusammenarbeit den verschiedenen Förderungsmöglichkeiten von Projekten
sowie der Praxis bilateraler Technischer Zusammenarbeit nachgegangen.
Im zweiten Hauptteil wendet sich der Verfasser der Geschichte und aktuellen Erfahrungen
der Ethnologie zu und kommt zu der Feststellung, daß die Ethnologie heute mehrheitlich ver
standen wird als Teilbereich einer umfassenden Wissenschaft vom Menschen. Zwar werden vor
allem von jüngeren Fachvertretern erste Ansätze einer integrativen Theorienbildung betrieben,
jedoch ist die deutsche Ethnologie in erster Linie kulturhistorisch ausgerichtet. Ihre Aufgaben
sind einmal wissenschaftsimmanent, zum anderen gesellschaftsbezogen.
In ausführlichen Darlegungen werden die historischen und aktuellen Erfahrungen der Ethno
logie im Bereich angewandter Wissenschaft dargestellt. Am Beispiel der holländischen Kolonial
ethnologie, der Erfahrungen amerikanischer Ethnologen während des Zweiten Weltkrieges im
pazifischen Raum, wo sich Ethnologen (Anthropologen) mehr oder weniger bedenkenlos in
den Dienst der Politik stellen ließen, der frühen Kooperation mit der Weltbank und vieler ande
rer Vorgänge bis hin zu Beiträgen junger deutscher Nachwuchswissenschaftler, die sowohl eine
wichtige Systematik praktischer Ethnologie als auch eine entscheidende normative Einbettung
der Ethnologie vorschlugen, liegen bemerkenswerte Beiträge als Erfahrungsschatz vor, die für
die Entwicklungsethnologie nutzbar gemacht werden können.
Die Identität als eine Grundbedürfnisbefriedigung ist aus anthropologischer und ethnologi
scher Sicht für menschliche Individuen und Gesellschaften von entscheidender Bedeutung und
bei Verlust durch koloniale Einflüsse, Wanderungen, nationalstaatliche Eingriffe oder Moderni
sierungen werden unterschiedliche Mechanismen wirksam, auf die hier einzugehen der Platz
verbietet. Aus gleichem Grunde können andere behandelte Gebiete und Komplexe, wie etwa
ethnologische Ansätze für Regionalanalysen, wirtschaftsethnologische Ansätze und Frauenfor
schung nicht näher charakterisiert werden.
Diese Beispiele machen deutlich, daß die einzelnen Prinzipien der Entwicklungspolitik vor
allem in ländlichen Gebieten wesentliche Anstöße von ethnologischer Seite erhalten können,
wobei dies vor allem für kulturökologische und wirtschaftsethnologische Ansätze gilt.
Im abschließenden Teil der Synthese entwickelt der Verfasser Ansatzpunkte, Schwerpunkte
und theoretische Defizite einer Entwicklungsethnologie, deren Beitrag generell in der Verbesse
rung der Lebenssituation der Bevölkerung in der Dritten Welt bestehen sollte: die Entwick
lungsethnologie als Teilausschnitt einer praktischen Ethnologie „mit speziellen ontologischen,
epistemologischen, methodologischen, programmatischen und normativen Grundlagen“