Digitalisate

Hier finden Sie digitalisierte Ausgaben ethnologischer Zeitschriften und Monografien. Informationen zum Digitalisierungsprojekt finden Sie [hier].

Suchen in

Objekt: Zeitschrift für Ethnologie, 113.1988

306 
Buchbesprechungen und Bibliographien 
Ausgehend von der vernichtenden Kritik einer entwicklungspolitischen Mitarbeiterin Mitte 
der achtziger Jahre an der gesamten Entwicklungshilfe, versucht Kievelitz zunächst die entwick 
lungspolitische Diskussion um die Bedeutung sozio-kultureller Faktoren aufzuzeigen. Nach 
Darstellung des gegenwärtigen ethnologischen und entwicklungstheoretischen Forschungsstan 
des erfolgt eine Themeneingrenzung. In dieser Arbeit wird versucht, „die Interessen und Berüh 
rungszonen von Ethnologie und Technischer Zusammenarbeit zu systematisieren und gleich 
zeitig die kulturelle Basis der Entwicklungszusammenarbeit herauszuarbeiten. Als Erkenntnis 
ziel steht dabei im Vordergrund, sowohl einen Anstoß in Richtung auf eine stärker anwen 
dungsorientierte Ethnologie zu geben, als auch die gegenwärtige Technische Zusammenarbeit 
durch wissenschaftlich fundierte Beiträge und Anstöße mit Hilfe der Ethnologie zu verbessern“ 
(S.30). 
Ausführlich wird im ersten Hauptteil neben der Darstellung der historischen Entwicklung 
der Technischen Zusammenarbeit den verschiedenen Förderungsmöglichkeiten von Projekten 
sowie der Praxis bilateraler Technischer Zusammenarbeit nachgegangen. 
Im zweiten Hauptteil wendet sich der Verfasser der Geschichte und aktuellen Erfahrungen 
der Ethnologie zu und kommt zu der Feststellung, daß die Ethnologie heute mehrheitlich ver 
standen wird als Teilbereich einer umfassenden Wissenschaft vom Menschen. Zwar werden vor 
allem von jüngeren Fachvertretern erste Ansätze einer integrativen Theorienbildung betrieben, 
jedoch ist die deutsche Ethnologie in erster Linie kulturhistorisch ausgerichtet. Ihre Aufgaben 
sind einmal wissenschaftsimmanent, zum anderen gesellschaftsbezogen. 
In ausführlichen Darlegungen werden die historischen und aktuellen Erfahrungen der Ethno 
logie im Bereich angewandter Wissenschaft dargestellt. Am Beispiel der holländischen Kolonial 
ethnologie, der Erfahrungen amerikanischer Ethnologen während des Zweiten Weltkrieges im 
pazifischen Raum, wo sich Ethnologen (Anthropologen) mehr oder weniger bedenkenlos in 
den Dienst der Politik stellen ließen, der frühen Kooperation mit der Weltbank und vieler ande 
rer Vorgänge bis hin zu Beiträgen junger deutscher Nachwuchswissenschaftler, die sowohl eine 
wichtige Systematik praktischer Ethnologie als auch eine entscheidende normative Einbettung 
der Ethnologie vorschlugen, liegen bemerkenswerte Beiträge als Erfahrungsschatz vor, die für 
die Entwicklungsethnologie nutzbar gemacht werden können. 
Die Identität als eine Grundbedürfnisbefriedigung ist aus anthropologischer und ethnologi 
scher Sicht für menschliche Individuen und Gesellschaften von entscheidender Bedeutung und 
bei Verlust durch koloniale Einflüsse, Wanderungen, nationalstaatliche Eingriffe oder Moderni 
sierungen werden unterschiedliche Mechanismen wirksam, auf die hier einzugehen der Platz 
verbietet. Aus gleichem Grunde können andere behandelte Gebiete und Komplexe, wie etwa 
ethnologische Ansätze für Regionalanalysen, wirtschaftsethnologische Ansätze und Frauenfor 
schung nicht näher charakterisiert werden. 
Diese Beispiele machen deutlich, daß die einzelnen Prinzipien der Entwicklungspolitik vor 
allem in ländlichen Gebieten wesentliche Anstöße von ethnologischer Seite erhalten können, 
wobei dies vor allem für kulturökologische und wirtschaftsethnologische Ansätze gilt. 
Im abschließenden Teil der Synthese entwickelt der Verfasser Ansatzpunkte, Schwerpunkte 
und theoretische Defizite einer Entwicklungsethnologie, deren Beitrag generell in der Verbesse 
rung der Lebenssituation der Bevölkerung in der Dritten Welt bestehen sollte: die Entwick 
lungsethnologie als Teilausschnitt einer praktischen Ethnologie „mit speziellen ontologischen, 
epistemologischen, methodologischen, programmatischen und normativen Grundlagen“
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.