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19. 20. 21. August — am 25., 26., 27. August — am
8., 9., 10. September — am 30. September, 1. und 2. Oktober;
fast jedesmal war das Theater bis auf den letzten Platz gesüllt;
es waren also an diesen Tagen jedesmal 10 bis 12000 Menschen
im kleinen Orte, wozu noch alle jene Tausende gerechnet
werden müssen, welche aus Uebermüdung oder Neugierde zurück—
geblieben waren, um sich das Tun und Treiben dieser inter—
nationalen Menge genauer anzusehen. Je weiter der Fremde
in den unregelmäßigen Gassen vorwärts schreitet, desto außer⸗
ordentlicher gestalten sich Leben und Bewegung. Unzählige
Läden, groß und klein, Holzbuden und Baracken, in welchen
Schnitzwaren, Photographien und s onstige „Andenken“ der ver⸗
schiedensten Art zum Verlaufe ausgelegt sind, laden zum Kaufe
ein. An dem bescheidensten Häuschen ist irgend ein kleines
Fenster wenigstens mit Ansichtskarten besteckt. Aber es sind
nicht alle diese Händler von Oberammergau, ein großer Teil
derselben sind fremde Pächter.
Hunderte, welche schon ein sicheres Nachtquartier befitzen,
stehen am Fenster oder Balkon und betrachten sich dieses
hastige Durcheinander; Tausend andere eilen von Haus zu
Haus und suchen oft in größter Aufregung Unterkunft. So
strömt es in kurzen Zwischenräumen vom Bahnhofe her ins
Dorf hinein. Extrazüge wechseln mit fahrplanmäßigen in
ununterbrochener Reihe ab und alle sind überfüllt. Auch von
Ettal her ist starker Zuzug. So bilden sich vor den Gast—
häusern ganze Wagenburgen, von einer Volksmenge umflutet,
bei der die Spuren der Anstrengung im geröteten Angesichte
und die Weite des Weges an den bestaubten und beschmutzten
Kleidern zu sehen sind. Früher durchzog die „Türkische
Musik“, von einer großen Volksmenge begleitet, mit klingen⸗
dem Spiele und militärischem Schritte die Straßen des Dorfes.
Nachdem 1900 schon der musikalische Morgenzug abgeschafft
worden war, wurde für 1910 auch dieser abendliche Marsch