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liche, die Grundformen festzustellen, woraus man die Bildung des Ur-Menschen re-
construiren kann. 5 /
Bemerken will ich noch, dass der Indonesier der Monogamie huldigt, und
wenn der Vater sich noch heute nach seinem Kinde nennt, dann geschieht dies
nicht etwa, wie man früher glaubte, um seine Vaterschaft zu proclamiren, sondern
weil er den Namen des. Kindes als einen würdigen Titel trägt, der ihn über un-
verheirathete und kinderlose Männer stellt. Die Mutter folgt derselben Sitte.
In Bezug auf Haarform und Hautfarbe unterscheiden die Indonesier sich
wenig von den Malayen; nur im Osten scheinen erstere mehr wellige oder krause
Haare zu besitzen, was vielleicht dem Einflusse der Papüa zuzuschreiben ist.
Die Augen der Indonesier sind mehr horizontal, die der Malayen schräger.
Die Stirn ist bei den Indonesiern etwas breiter, ihr Gesicht etwas kürzer,
die Nase breiter, der Mund grösser.
Malayen und Indonesier müssen einander nahe verwandt sein; doch schliessen
sich erstere mehr an die Chinesen, letztere mehr an die Polynesier an.
Somatisch will ich noch erwähnen, dass bei den Indonesiern der rechte
Arm länger ist, als der linke; auch die rechte Brusthälfte ist meist etwas breiter,
als die linke.
Topinard glaubte, dass die verschiedenen Rassen verschieden gebildete
Nasenlöcher haben; die Variationsbreite ist bei den Indonesiern aber so gross,
dass sie fast alle bekannten Typen zeigen können.
Die Reduction des III Molaren unterscheidet sich bei den Indonesiern nicht
von der der Europüer, sie ist bei beiden gleich weit vorgeschritten.
In Bezug auf die Körperlänge unterscheiden die beiden Rassen des Archipels:
sich nicht von einander. Ich habe von vielen Hunderten von Menschen im Archipel
Länge und Körper-Gewicht bestimmt.
Vergleicht man die mittlere Länge mit dem Mittel aus grossen Zahlenreihen
in Europa, dann findet man, dass die Europäer nicht grösser, eher kleiner sind.
Die einzelnen Vólker des Archipels zeigen dabei nur geringe Unterschiede.
Zwar sind diese Insel-Bewohner kleiner, als europüische Soldaten, aber der
Soldat auf Java ist auch grósser, als der Dorfbewohner.
Hingegen ist das Kürper-Gewicht weit geringer bei den Reis essenden
Insel-Bewohnern, obgleich sie schóne, runde Formen, also einen gut ení-
wickelten Panniculus adiposus besitzen; es fehlt ihnen aber stets der hervortretende
Bauch des Europäers.
Nur die Mais essenden Vólker nühern sich dem Kórper-Gewicht der Euro-
püer; bei ihnen kann man übrigens das Alter genau nach den Zähnen, wie beim
Pferde, bestimmen. Die Sago essenden Volker wurden noch nicht untersucht.
Die Frauen entwickeln sich schneller, im Alter von 14— 19 Jahren sind sie
schwerer, als gleichalterige Europüerinnen. Sie verblühen aber schnell; alte Frauen
verlieren den Panniculus adiposus und haben ein sehr geringes Kórper-Gewicht.
Der Unterschied zwischen Máünnern und Weibern ist in Bezug auf
Kürpergrósse dem in Europa ziemlich gleich.
Riesen und Zwerge findet man ebenso selten, wie Krüppel. Die Grossen-
Verhältnisse sind sehr gleichmässig; durch eine ungeheure Kinder-Sterblichkeit
werden alle abnormen Individuen ausgeschieden.
. Fast die Hälfte. der Kinder stirbt im ersten Lebensjahre (in Malaria-
Gegenden sind die Verhältnisse viel ungünstiger); haben sie dies überschritten,
dann sind die Lebens-Chancen viel günstiger, als in Europa.