Digitalisate

Hier finden Sie digitalisierte Ausgaben ethnologischer Zeitschriften und Monografien. Informationen zum Digitalisierungsprojekt finden Sie [hier].

Suchen in

Objekt: Jahrbuch für Volkskunde und Kulturgeschichte, 13=28.1985

162 
UTE MOHRMANN 
Bezirkskabinett für Kulturarbeit Magdeburg (Ltg. Günter Pilling und Wolfgang Speer, 
VBK - DDR): 
I. Kindheit und Jugendzeit 
1.1. Kindheit (5-14 Jahre) 
In idyllischen Kleinstädten und in Breslau, Haupstadt des damaligen Schlesiens, gelebt. 
Schmale Straßen, in der Architektur Renaissance, süddeutscher Barock, Zentren mit 
Laubengängen, alte Kirchen und Burgen, bäuerliche Märkte, dazu eine Landschaft mit 
Bergen, Wald, kleinen Flüssen, Teichen waren die Umgegend, die Phantasie anregte 
und Möglichkeiten der Umsetzung im Spiel bot. 
Das Elternhaus war kleinbürgerlich, Herkunft des Vaters: Bergarbeiterfamilie aus 
Oberschlesien, bei den Vorfahren Polen, Slowaken, Beruf Destillateur. Mutter: Herkunft 
bäuerliche Kreise aus Mecklenburg/Braunschweig und forstwirtschaftliche aus dem Harz. 
Alle musischen Einflüsse kamen von der Mutter. Märchen und Geschichten erzählen, Lie 
der singen regten die Phantasie an, führten früh zum Buch, zur Musik. Ich erhielt durch 
die Mutter sehr viel Freiraum zum Spiel. Wenig Autoritäres seitens des Elternhauses be 
stimmte meine Kindheit. Hauptinteresse in der Schule galt Geschichte, Zeichnen, Musik, 
im Deutschfach Aufsätzen. Lehrer beeinflußten meine musische Art nur zeitweise. Ich 
zeichnete mit der Mutter in spielerischer Art oder aus eigenem Antrieb. 
Das Spiel erfolgte mit Freunden. Es wurden Lese- und Lernstoffe, Geschichten und 
Märchen im Spiel und bei der Anfertigung von Spielzeugen oder Spielausstattungen um 
gesetzt. Starke Disziplin und Administration lösten in mir Widerstand aus. Im Rück 
blick empfinde ich meine Kindheit als eine glückhafte, ungebundene, erlebnisreiche lange 
Zeit. Immer wieder zieht es mich noch heute dahin zurück. Alle soziale Not, die damals 
vorhanden war, gerät darüber in den Hintergrund. 
1.2. Jugendzeit (15-21 Jahre) 
Zwei Jahre Landjahr der Hitlerjugend. Neben Arbeit und Sport singen, tanzen, musi 
zieren. Ein halbes Jahr Reichsarbeitsdienst, Straßenbau, Befestigungsbau an der polni 
schen Grenze. 5 Jahre Soldat, Polen, Frankreich, UdSSR. Die Unterordnung fiel mir oft 
schwer. Zu all dieser Zeit wirkte trotzdem die früh gelegte Basis in mir: Ich schrieb 
Tagebuch, Briefe, zeichnete Kunstpostkarten, besuchte historische Bauten und Sehens 
würdigkeiten, las in der Freizeit Rilke, Goethe, Homer (Reclamausgaben). Viele Erleb 
nisse dieser vergangenen Zeit wirken noch heute, wenn ich auch einen gänzlich anderen 
Stand erreicht habe, sehr intensiv auf mich ein. So erlebe ich heute, beim Lesen einer 
Reisebeschreibung über Paris, im Nachhinein, verbunden mit der Erinnerung, ungemein 
intensiv. Diese Zeit endet mit dem Kennenlernen meiner Frau und der Umsiedlung 
aus Breslau. 
Ergänzen muß ich noch, daß meine Mutter versuchte, mich mit 16 Jahren auf der Hoch 
schule für Grafik in Breslau unterzubringen. Das Vorhaben scheiterte im Ansatz. Kein 
Abitur, zu jung. Es gab auch keinerlei Kontakt zu künstlerisch Tätigen, die Rat hätten 
geben können. 
II. Arbeit und Beruf 
Das Verlassen meiner Heimat, ich wohnte ab meinem 13. Lebensjahr in Breslau, einet 
Stadt, mit der ich noch heute auf das Innigste verbunden bin. Zusammen mit großer 
sozialer Not, Mutter starb 1945, ich war mit meiner jungen Frau und drei Schwestern 
(5, 10, 14 Jahre) allein in einem kleinen Dorf, hatte keinen Beruf gelernt, ließ über 
einen längeren Zeitraum gestalterische Tätigkeiten nur in geringem Umfang möglich 
werden. Was blieb, war Lesen, Gespräche, Musik hören, ein paar kleine Skizzen, Schnit
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.