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Volltext: Band: Das Noth- und Hülfs-Büchlein oder lehrreiche Freuden- und Trauer-Geschichte des Dorfes Mildheim, Erster Theil

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5) Man bespritze die Herzgrube etwas von fern her 
mit laͤltem Wasser; oder och besser, man stelle sich auf 
einen hohen Stuhl oder Tisch und lasse einige Minuten 
lang kaltes Wasser aus einem schicklichen Gefäße, etwa aus 
einer Theekanne oder einem Topfchen, tropfenweise auf die 
linke Seite der Brust des Kindes, welches ganz niedrig ge⸗ 
halten werden muß, fallen; reibe dann das Ruückgrat, die 
Herzgrube und die Schenkel gelinde mit warmen Tüchern 
oder Flanell in Wein oder Branntwein getaucht; bewege 
das Kind sanft hin und her, klopfe es mit der flachen Hand 
auf den Hintern; bürste Rückgrat und Fußsohlen; dann 
wieder die Herzgrube mit kaltem Wasser bespritzt und so 
abwechselnd fori Nur muß man sich dabey hüten, daß 
man nicht zu rasch und gewaltsam verfahre. 
6) Man halte dem Kinde zerquetschte Zwiebeln, 
Knoblauch oder Salzgeist vor die Nase, und flöße ihm et⸗ 
was warmen Chamiuenthee ein. 
7 Man gebe ihm ein Klystier von warmen Wasser 
mit etwas Salz und Oel oder auch mit etwas Essig. 
8) Fangen nun bey diesen Proben die Kinnladen an 
sich zu —B—— das Kind 
die Augen auf, hebt sich die Brust, fängt es au zu stöhnen 
und zu wimmern: so ist das Leben erweckt, und man fährt 
nun mit gelindem Reiben des Unterleibes und der Brust 
noch so laͤnge fort, bis das Kind vollkommen athmet und 
laut und vernehmlich schreyt. Dann trocknet man es mit 
gewärmten Tüchern sorgfältig ab und legt es in wohl 
durchwärmte Betten zur Ruhe. 
Thut man dieses mit gehoͤriger Ausdauer, Ruhe 
und Umsicht mit jedem Kinde, welches leblos zur Welt 
zu kommen scheint, ohne doch toͤdtlich verletzt, oder schon 
vor der Geburt gestorben zu seyn: so werden viele Muͤt— 
ter die Freude haben, ihren Saͤugling lebendig an die 
Brust zu legen, den sie schon als todt beweinteen. 
Verstaͤndige Maͤnnex haben nun auch darauf ge⸗ 
dacht, die Urfache weg zu raͤumen, warum besonders 
arme Leute auf dem Lande und in den Staͤdten gern ei⸗— 
len, ihre Verstorbenen unter die Erde zu bringen. 
Diese aͤst naͤmlich, daß es in ihren engen Wohnungen 
an Platz fehlt, die Leichen mehrere Tage lang aufzu⸗ 
bewahren. Man hat daher, nach dem Vorschlage des 
be⸗
	        
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