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Volltext: Haus und Hof in ihrer Entwickelung mit Bezug auf die Wohnsitten der Völker

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Haus und Hos. 
stände sprechen dafür ihm ein hohes Alter zuzuweisen. Ich sage kurzweg das 
„nordische" Haus, obwohl dasselbe, wie sich zeigen wird, keineswegs auf den 
Norden beschränkt, sondern auch im Osten Deutschlands verbreitet ist. Ver 
schiedene Anknüpfungspunkte bestehen außerdem zwischen dem nordischen Hause 
und dem uns schon bekannten der Angelsachsen. 
Ich führe den Leser zunächst nach Skandinavien, insbesondere nach Nor 
wegen, die alteHeimath der Nord Männer oder Normannen, deren geschichtliche 
Bedeutung ich wohl nicht erst besonders hervorzuheben brauche. Gegenwärtig liegen 
fast alle Städte Norwegens — es sind ihrer wenige genug und ihr Aussehen 
ist, besonders im Norden, ein überaus schlichtes — am Meere, in den Schären 
oder am Ufer einspringender Fjorde. Die im Binnenlande gelegenen Städte 
bilden nur seltene Ausnahmen. Aber noch mehr: nicht einmal „Dörfer" hat 
das Land aufzuweisen. Da die Oberfläche Norwegens fast aus lauter unfrucht 
baren Hochebenen besteht und die Thalgehänge außerordentlich steil, zuweilen 
senkrecht abfallen, können sich keine Dörfer ausbreiten. In verschiedenen Meier 
höfen oder Fischerplätzen wohnt daher die nicht zu den Städten zählende ganze 
große Masse des Volkes über das Land verbreitet. Der „Gründ", abgeleitet 
von „Grenn", Nachbar, ist eine Reihe lose und weitläufig bei einander stehender 
Höfe, aber kein Dorf, kein eng verbundenes Gemeinwesen; auch die Kirchen 
stehen abgesondert an Stellen, die möglichst in der Mitte des Bereiches der 
weit herum vertheilten Eingepfarrten liegen. Jeder einzelne Hof besteht aus 
einigen Gebäuden, von mehreren Familien bewohnt, ohne jede regelmäßige An 
lage, aber durch eine gemeinsame Einfriedigung umhegt. Dies macht einen „Gärd" 
(spr. Goard) aus und ist gewöhnlich als Grundeigenthum einem Bauer gehörig, 
der sich auch wohl nach dem von ihm besessenen oder bewohnten Gärd selber 
nennt, wie dies in den schottischen Hochlanden und in den deutschen Alpen 
gleichfalls Brauch ist. Dieser Gürd ist aber nichts anderes als der angel 
sächsische „Ham". Unverkennbar trägt er alle Züge desselben. Zu einem solchen 
Gärd gehört nämlich außer den Stallungen mindestens ein größeres Wohngebäude, 
dieStelle der alten Rauchstube oder Halle vertretend, und ein sogenanntes „Stabuur", 
auch „Stolpebuur", in welchem das „Bur" der Angelsachsen sogar lautlich er 
halten ist. Außerdem besitzen die „Bönder" (Bauern) stets noch besondere Ge 
bäude für die Dienstboten, die zwar völlig frei, aber durch Gewohnheit und aus 
Interesse in hohem Grade stabil sind, dann ein eigenes Feuerhaus, die Küche, 
mit breitem niedrigen Herd und Geräthen aller Art zum Hausgebrauch. Man 
legt das Feuerhaus meist seitab von den Wohngebäuden, damit im Falle der 
Gefahr es leichter werde, diese zu beschützen. Die Häuser sind meist blockhaus 
artig aufgeführt, zum Theil aus größeren, schön behauenen und an geeigneten 
Stellen, wie bei den Russen, mit Schnitzereien verzierten Kieferstämmen, neuer 
dings wohl durchweg aus schwächerem Holze, dessen zahlreichere Fugen um so 
sorgsamer mit Moos verstopft werden müssen. 
Die einfachste Gestalt des nordischen Hauses, aus der sich alle anderen 
entwickelt haben, ist nach Henning ein im Innern ungetheilter Raum von an 
nähernd viereckiger Form, vor dessen Giebelseite zum Schutz gegen Wind und 
Unwetter noch eine Vorhalle von der Breite des Hauses sich befindet. An 
fänglich gewiß nur ein auf Säulen ruhender Vorsprung des Daches, ist sie unter 
dem Einflüsse des Klimas immer entschiedener in die Architeltur des Hauses 
hineingezogen und mit mehr oder minder festen Wänden bekleidet worden. 
(Henning. Das deutsche Haus. S. 62.) Wir haben diese Vorhalle auch schon 
vor der normannischen Halle in England gefunden, wo beide mit einander in
	        
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