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Volltext: Lebens- und Anstandsfragen

und sie aus der Lebensfrische keine Weihung ins höhere 
Alter hinübernahmen.“ 
über die Spiele der Kinder hat der gemütvolle 
bfarrer Hansjakob sich sehr schön ausgesprochen. „Das 
Spiel,“ sagt er, „ist die Blume der Kindheit, die Quint—⸗ 
essenz der Kinderseligkeit. Und das hat die Kinderseele 
vor aͤllen Menschenseelen beim Spiele voraus, sie erreicht, 
was sie will, während die alten Menschen spielen, wagen, 
hetzen und jagen und nichts erreichen, als vermehrte 
Sorge, vermehrtes Defizit und vielfach vollständigen 
Banterott. Das Kind aber spielt und gewinnt immer. 
es spielt und ist glückselig — weil es wenig setzt, wenig 
wagt — und mit wenigem zufrieden ist. Hier zeigt sich 
die große Philosophie der Kindheit in ihrem ganzen 
Glanze. Das Kind spielt immer und gewinnt immer, 
ein Leben ist Spiel und im kindlichen Spiel Glüchkselig⸗ 
keit. Welche tiefe Symbolik liegt im Spiel mit Stroh— 
halm und Seifenschaum! Ist es nicht ein Vorbild von 
all unserem späteren Schaffen und Ringen, Träumen und 
Schäumen? Ja, im Kinderspiel liegt viel Wahrheit, oft 
noch die einzigel So vergehen dem Kinde Tage und 
dahre im seligen Spiel und den übrigen Menschen in 
Mühe und Ardeit. Dem spielenden Kinde ist jeder Tag 
Aeich, ob trüb oder hell das Licht vom Himmel fällt, ob 
Sommer oder Winter, Herbst oder Frühling im Lande 
ist. So wird jeder Tag der Jugendzeit ein Spieltag, und 
hne besondere Freude verläuft keiner. Der Kinder— 
kalender zählt daher eine große Menge Festtage, deren 
eder seinen besonderen Reiz und Seligkeit hat fürs 
Kinderherz. 
Man entwickele den Märchensinn bei den Kin— 
dern. Will oder kann man ihnen nicht die alten lieben 
Rärchen erzählen, so gebe man ihnen ein alterprobtes 
Märchenbuch 
Wenn du mit einem sprichst und dein Kind kommt 
zu dir, um dich etwas, was ihm am Herzen liegt, zu 
sragen, sa brig das Gespraͤch ab, mag der mit dir 
Redende auch noch so hoch stehen. (Fröbel.) 
Kindern wohlzutun ist nicht nur die liebens⸗ 
würdigste, sondern auch die ersprießlichste Wohltat — die 
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