ıst und sich daher nach einer Georeferentialisierung, also einer eindeutigen Zu-
»rdnung über Geodaten an einzelnen Orten zusammenführen lässt.
Damit ließen sich sehr verschiedene Datenbestände zusammenbringen.
Wer sich für eine bestimmte Region oder Ortschaft interessiert, der könnte etwa
auf Quellenbestände des ADV, anderer volkskundlicher Sammlungen, von Ar-
°hiven und sonstigen Beschreibungen zurückgreifen. Über einen geeigneten
Thesaurus, der Orte und Personen, Begriffe und Objekte umfasst, kann ein
übergreifender Quellenkorpus geschaffen werden, der eben jene Leerstellen
{üllt, die in dem obigen Beispiel genannt wurden.
Eine entsprechende Struktur hat Christoph Schmitt in Rostock mit seinem
WossiDiA-Projekt' bereits prototypisch angelegt, bei dem die Aufzeichnungen
des Mecklenburgischen Volkskundlers Richard Wossidlo (1859-1939) mittler-
weile digitalisiert vorliegen und nun erschlossen werden, wobei jene eben ge-
nannten Verknüpfungen in der Erschließung angelegt werden (Schmitt 2005).
Damit können z.B. die Gewährspersonen über ihre sonstigen Äußerungen in
anderen Quellenbeständen wieder stärker als Individuen sichtbar gemacht
und aus dem interpretatorischen Blick der Bearbeiter herausgelöst werden.
Hilfreich hierfür wäre für den ADV die digital unterstützte Zusammenführung
der ursprünglichen Frage- und Zusatzbögen - und damit einer lokaleren Sicht-
weise -, was in der jetzigen Form der Lagerung der Antworten nach den Frage-
Nummern einen zu großen Aufwand darstellen würde.
Auch in kartographischer Hinsicht gibt es neue Möglichkeiten. Nicht nur,
dass sich die bisherigen Verbreitungskarten nun wesentlich leichter mit histo-
tischen Territorialgrenzen, geologischen Karten oder klimatisch determinier-
ten Habitaten in Verbindung setzen lassen. Ebenso wäre es möglich, innerhalb
dieser Vernetzungen jeden Belegort für sich ins Zentrum zu stellen und damit
lie diskursiven Zuordnungen von Zentrum und Peripherie aufzulösen. Bei der
methodischen Anlage des ADV stand die übergreifende und überindividuelle
Suche nach Gemeinsamkeiten und kulturellen Räumen im Vordergrund - mit
den eben skizzierten Ansätzen ließen sich aber die akteurszentrierten Aspekte
stärker hervorheben und die Einzelaussagen besser interpretieren. Allen Zu-
zängen gemeinsam ist, dass die Darstellung als großräumige Karte nur noch
zine sehr geringe Bedeutung hat.
Dass es sich bei dem vorgestellten Material um historische Quellen han-
delt ist klar und es erlaubt Aussagen zu einer historischen Alltags- und Wis-
zsenschaftskultur. In seiner Fülle ist die Befragung einmalig in Deutschland und
auch wenn sie nur einen einzigen Zeitschnitt zum Erhebungszeitpunkt abbil-
det, so kann sie doch stets als Bezugspunkt dienen. Gleichzeitig kann der ADV
auch als Folie für die Frage nach den Möglichkeiten, Grenzen und Risiken der
kartographischen Repräsentation von Kultur dienen: »/es] muß darauf hinge-
wiesen werden, daß das Kartenbild [...] ja nicht in erster Linie ein Ergebnis ver-
mitteln, sondern der Hinführung zu Problemen dienen soll.« (Bausinger 1977)