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B. Referate. 3. Urgeschichte.
dass neuerdings in Schweden (Fagersanna) eine Stelle mit neolithischen Wirtschafts-
abfällen aufgefunden ist, deren Scherben bezüglich der Ornamentierung mit denen
aus Rutzau übereinstimmen. — Eine zweite steinzeitliche Niederlassung ist in der
Tucheier Heide bei Abbau Kelpin entdeckt worden und wird in mustergiltiger
Weise unter Beifügung einer Kartenskizze (Fig. 15) geschildert:
Der Fundort befindet sich in einer sehr abgelegenen Gegend. Die Stelle liegt
„am westlichen Ufer der Brahe, schräge gegenüber dem Forsthaus Kelpinerbrück,
welches zur Kgl. Oberförsterei Woziwoda gehört. Sie befindet sich auf der dilu
vialen Thalterrasse, welche im Osten steil zum Fluss abfällt, und im Westen von
einem Dünenzug, dem überwehten Plateaurand, begrenzt wird. Auch im Süden
und Norden ziehen sich einige Dünen hin. Bezeichnend für den dürren Sandboden
ist das Vorkommen der kleinen graugrünen Blattbiiscliel von Corynephorus canescens
P. B., während im Uebrigen fast jede Vegetationsdecke fehlt. Hauptsächlich am
Rand stehen vereinzelte niedrige Kiefern und Wachholdersträucher (Juniperus com
munis L.) und erst in weiterem Umkreis tritt Calluna vulgaris Sal. auf, die
Charakterpflanze der Heidelandschaft.“ In der Mitte dieses von Dünen und von
der Brahe begrenzten Geländes wurden zuerst Anhäufungen von Thonscherben,
dann auch Werkzeuge aus Feuerstein angetroffen. „Schon von weitem heben sich
dort die Scherbenanhäufungen als dunkle Partien van der blendend weisslichen
Sandfläche ab. Sie waren nicht eben spärlich, und es konnten in wenigen Stunden
zahlreiche Fragmente von Gefässwandungen, auch solche mit dem bezeichnenden
Schnur Ornament, gesammelt werden. Daneben traten Boden- und Randstücke
letztere bisweilen mit knopfartigen Ansätzen, auf.“ Gesammelt wurden ferner
Schaber, Messerchen, Pfeilspitzen, Fragmente von Lanzenspitzen, Meissei, durchweg
aus Feuerstein. Die beigegebene Kartenskizze zeigt in sehr anschaulicher Weise
die Lage des Fundplatzes. Die ausführliche Beschreibung der Situation ist um so
dankenswerther, als in neuerer Zeit überhaupt der natürlichen Beschaffenheit oder
Umgebung vorgeschichtlicher Gräber, Befestigungen und Wohnplätze mehr Beach
tung geschenkt wird wie früher. So hat man in Westfalen vielfach aus dem
üppigeren Wachstum des Heidekrautes und dem Vorkommen des wilden Ginsters
mit Erfolg auf das Vorhandensein von Gräbern geschlossen. Die Wechselwirkung
zwischen Naturverhältnis und Lebensweise der Bevölkerung ist kürzlich von
Sarauw, Lyngheden i Oldtiden; Jagttagelser fra Gravhöje (Aarböger f. Nord.
Oldkgndighed 1898. — Anzeige im Centralblatt 1899, Heft 2, No. 61) inbezug auf
dänische Verhältnisse erörtert worden. Derselbe Gesichtspunkt ist, gleichfalls mit
Anwendung auf die Anlage der Friedhöfe, neuerdings für eine Arbeit aus Holstein
massgebend gewesen (Jellinghaus, Vorgeschichtliche Grabstätten und geschicht
liche Dörfer aus Segeberg. Mitteil. d. Anthropol. Vereins in Schleswig-Holstein,
1899). Heft XII. Aehnliche Arbeiten liegen aus Ostpreussen vor (z. B. : Altpr.
Monatsschrift 1891/5, Bonk, Die Städte und Burgen in Altpreussen (Ordensgrün
dungen) in ihrer Beziehung zur Bodengestaltung).
Aus der älteren Bronzezeit sind (S. 38/9) 6 Hügel beschrieben, die in