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S. SINGER:
mitteilt, ist aber an eine Hind gerichtet, die die Scholien die Tante des
Königs nennen. KRÜückerr meint, daß es vielleicht einem andern Dichter
gleichen Namens zuzuschreiben sei. Ich frage mich aber, ob Hind nicht
als Deckname für die Königin verwendet wurde, wie etwa nach HAmMmmer-
PURGSTALL I, 3, S. 480 der Dichter Ebu Ojaine die Fathima liebte, sie aber
durch seine Verse ins Gerede zu bringen fürchtete und deswegen seine Verse
an ihre Sklavin Dunja richtete‘, Diese entspricht der donna dello schermo
in Dantes Vita nuova, die, wie man aus Melodias Anmerkung zu Kap. V
seiner Ausgabe sehen kann, auf verschiedene Ahnfrauen bei den Trouba-
dours zurückblicken kann.
Wie wir gesehen haben, führten diese panegyrischen Gedichte zum
Lobe der Gattin des Brotherrn, wie bei Provenzalen SO auch bei den Arabern
einerseits zu Liebesverhältnissen mit der Angebeteten, anderseits zu Eifer-
suchtsanfällen ihres Mannes, So erzählt etwa BROCKELMANN, Gesch, d. arab.
Lit. S. 72 von dem Dichter al Waddäch‘:
Während seines Aufenthaltes in Damaskus wagte er sich mit seinen Liebesliedern auch
an die Gattin des Chalifen, die sein Werben sogar erhörte und u hakınlich bei sich eMpfing.
Einst, als al Walid, der Chalif, sie bei einem zärtlichen Beisammensein überraschte, verbarg
sie den Dichter in einem Koffer, Eben diesen erbat sich der (GFatte zum Geschenk und ver-
grub ihn uneröffnet in seinem Palaste.
Seltener ist es ein unverheiratetes Mitglied der fürstlichen Familie,
dem der Dichter seine Huldigungen weiht; aber auch das kommt vor und
hat ähnliche Folgen, wie in verschiedenen Erzählungen, die wir gut als
Troubadournovellen bezeichnen können, berichtet wird.
HAmmEr-Puresrain I 1, S. 268 erzählt von dem sogenannten kleinen Morakkisch: Er
hatte eine Nacht bei der Magd der Prinzessin Fathima zugebracht, Als Fatbhima die Spuren
der nächtlichen Orgie an ihrer Magd bemerkte, hieß sie diese, wenn er wiederkäme, ihm
eine Räucherpfanne und einen Zahnstocher geben. Er vänchorie sich mit der Pfanne Bart
and Haar und schnitt dem Zahnstocher die Spitze ab. weil diese schon ein anderer benutzt
dieses kann ich manchen frohen Tag erleben durch den Seelengewinn, den ich von meiner
Liebe habe und weil nur in diesem Minnedienst (selbst wenn er ohne reale Beseligung durch
Wiedersehen usw. verläuft) der Quell meiner Lieder fließt, ohne den ich (6, 2) weder
Männst noch Frauen unterhalten könnte, ohne den mein Dichterberuf und mein
poetisches Schaffen zunichte würde!” —_ M öglicherweise wirkt in dem fraglichen Bilde auch die
Bedeutung kröne — ‘Siegeskranz’ wortspielend mit. — BurRDacH].
[* Vgl. Burnacs, Sitzungsberichte 1918. S. 1075 über das ähnliche Verfahren des Said Ihn
Dschüdi]..
[? Vgl. BurnDacg, Sitzungsberichte 1918. S. 1028 f.]