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Volltext: Zeitschrift für Ethnologie, 18.1886

(£71) 
*0 kónnte immerhin Niempsi dazu gehórt haben. Aber die ganze Schenkung steht 
was in der Luft, wenn man auch den im Jahre 873 gestorbenen Thaculf von 
Thüringen, comes et dux limitis Sorabici (v. Leutsch, Markgr. Gero S. 541), ein- 
Setzt. Dagegen könnte die Sage, dass die Markgrafen Gero in Niemitsch gewohnt 
haben und dass zu Ehren der Schwester des älteren Gero, Hidda, die in Jerusalem 
Star, die Kapelle auf dem Burgwall erbaut worden sei (Haupt, S. 135), der Wahr- 
heit etwas näher kömmen. Die Urkunde vom 1. Mai des Jahres 1000, durch welche 
Kaiser Otto III. dem Kloster Nienburg die Sehenkung von Niempsi und den dazu 
Rehüriger Dórfern bestütigt, besagt ausdrücklich, dass diese Civitas in comitatu 
Geronis marchionis gelegen war (Cod. dipl. Anhalt. I. p. 71). Der Kaiser war da- 
®als eben von seiner Wallfahrt zu dem Grabe des h. Adalbert in Gnesen über 
Magdeburg nach Aachen, wo er die Urkunde zeichnete, zurückgekehrt;. sein Weg, 
der hinwärts über Eulau a. Oder (llva) gegangen war, mochte ihn über Crossen und 
Guben zurückgeführt haben. Das Kloster Mônchen-Nienburg aber, am Einfluss der 
Bode in die Saale (im Anhaltinischen) gelegen, war 975 von dem Markgrafen Ditmar, 
dem Schwestersohn des älteren Gero, und seinem Bruder, dem Erzbischof Gero 
Yon Côln, in castellum quoddam Nigenburg dictum in ripa fluminis Sala pagoque 
Northuringa situm verlegt worden, nachdem es seit 970 in Thankmarsfelde bei 
Harzgerode bestanden hatte (Cod. diplom. Anhalt. I. p. 45). Es ist daher wohl an- 
“nehmen, dass Niempsi mit Zubehör ererbte Familienbesitzung war. Ob die Be- 
Zeichnung des „heiligen Landes“ durch die Errichtung der Kapelle oder durch die 
Vergebung an das Kloster oder gar durch die Schenkung des Markgrafen Thaculf 
Migeregt worden ist, mag dahingestellt bleiben. Der Umstand, dass nach dem Tode 
Ötto’s Il. (1002) die ganze Lausitz an Boleslaus Chrobry von Polen verloren ging 
"hd erst durch seinen zweiten Nachfolger, Konrad II. den Salier, 1031 wieder ge- 
Wonnen wurde, fällt nicht entscheidend in das Gewicht, da die Polen Christen 
W*Worden waren und in der Bestátigungsurkunde, welche Papst Benedikt VIII. 
1024 dem Kloster Nienburg ausstellte, der gesammte Giiterbesitz von Niemsxi noch 
als Vorhanden angenommen wurde?) Aber die Namen des heiligen Weges oder 
Haines finden sich an mehreren Orten, wo nur eine Beziehung auf vorchristliche 
Verhältnisse aufgefunden werden kann. Waren solche Namen jedoch einmal vor- 
handen, so sind sie gewiss um so sicherer bewahrt worden, wenn christliche Be- 
%ehungen an dieselben geknüpft wurden, 
. Die kirchliche Bedeutung von Niemitsch aber hat sich erhalten, indem eine 
Reihe benachbarter Orte hierher eingepfarrt wurde. Noch jetzt sind 2 Prediger 
\à dem Dorfe, obwohl dasselbe nur 12 Hôfe enthält. Letztere liegen ziemlich eng 
um einen länglich runden Platz, an welchem auch die Kirche steht, fast nach Art 
es slavischen „Rundlings“. Ich habe Hrn. Jentsch gebeten, sowohl die Orts- 
anlage, als die Flureintheilung zum Gegenstande seiner besonderen Nachforschungen 
= Machen; vielleicht dass sich daraus noch irgend welche Anhaltspunkte für die 
?utung der Oertlichkeit gewinnen lassen. 
2) Das Urnenfeld von Strega. 
P. In Strega (Stróga), wo wir noch zu guter Zeit eintrafen, fanden wir schon den 
Finzen Carolath, den Rittergutsbesitzer Schmidt, den Prediger Mathe, sowie 
die Gebrüder Perschk versammelt und die Grabung konnte sofort beginnen. 
à Strega (urk. Stregaw) ist ein altes, grosses, stattliches Dorf, weiter südlich in 
°M immer noch recht breiten Neisse-Thal, jedoch etwas weiter entfernt von dem 
Hei 1) S. Hirsch (Jahrb. d. deutschen Reichs. S. 224. Anm.) schliesst aus einer Urkunde 
i "HE von 1004, dass der Kónig in der Gegend noch Domanialbesitz und Lehnsherrlich- 
8g. 
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