älke Bippus und Frank Hesse
gleichzeitig bedauert,
da das Ziel mit dessen
Erreichen an Attraktivität
verloren habe: „Er
war berühmter als die,
die er bewunderte“.
Warhols Faszination
für die Filmwelt, den
Glanz und Glamour
der Schönen und Reichen
begann bereits in
seiner frühen Jugend. In
seinem Nachlass befindet
sich ein billiges, in
Leder gebundenes Fo-|
| toalbum mit Filmstar-Yves
Saint Laurent & Lauren Bacall at Studio 54, New York .
portraits, das er Anfang
ist bezeichnend, dass Elisabeth Taylor auf der 1940er Jahre zusammengestellt hat.
dem Bild von Bella Abzugs Geburtstags- Auch in der von ihm 1969 begründeten
feier die anderen anwesenden Fotografen Zeitschrift Interview nehmen Glamourignoriert,
um in ihrer nicht gerade vorteil- totos, die von Stills aus Hollywoodfilmen
aaften Position am Büffet der Kameravon der 1930er und 1940er Jahre stammen, ei-Warhol
ein warmes Lächeln zu schenken. nen großen Raum ein.
Sie posiert sozusagen vor und für einen
„Familienangehörigen“ und nicht als Berühmtheit,
sie setzt sich für das Familien
album in Szene und nicht für das People-Magazin.
Die zur Pathosgeste geronnene
Begegnung zwischen dem Modeschöpfer
Yves Saint Laurent und Lauren Bacall,
der Film- und Lebenspartnerin von
Humphrey Bogart, ist aus nächster Nähe
in Augenhöhe festgehalten, ohne dass die
Abgebildeten sich von Warhols Fotografierenirritieren
ließen. Karl Lagerfeld, der
Warhol in dieser Zeit kennen lernte, sieht
in den Bildern den Beweis, dass „die Welt
der Künstler, (...) ihm (Andy Warhol) nur
als Trittbrett zur kosmopolitischen Gesellschaft
gedient hatte“, In der post-1968er
Zeit sei es möglich gewesen, als Künstler
in solche Kreise zu gelangen. Warhol
hätte diese Möglichkeit genutzt und
Beobachtung
Neben der Nähe zum Objekt der Begierde
erfordert dokumentarisches Arbeiten
zugleich auch einen gewissen Abstand,
um dessen Konturen erkennen zu
können. Auch Warhols Teilnahme an den
zesellschaftlichen Ereignissen ist eine distanzierte.
Er war sicherlich kein rauschhafter
Partygänger, sondern ein Stratege.
Er vermochte es, Teilnahme und Beobach-:ung,
Nähe und Distanz, Vertrautheit und
Befremdung zu verbinden, Auch in seinen
Äußerungen verknüpft er scheinbar widersprüchliches.
So beschreibt er sich einerseits
als zwanghaften Partygänger und
zugleich behauptet er von sich: „/’m the
type who’d be happy not going anywhere