„Hier gibt es kein Recht auf seelische
Gesundheit“
Gespräch mit der Bürgerinitiative
Familien in der Sächsischen Schweiz“
„AfroEuropäische
Katrin Osterloh
Barbara Anton“: Die Bürgerinitiative
wurde 2001 mit mehreren binationalen
Familien gegründet. Dahinter stand die
{dee, dass wir in Erscheinung treten und
Öffentlichkeitsarbeit machen wollen.
Wir wollen uns für unsere Belange einsetzen
und was für uns selbst tun. So
dass es perspektivisch weniger Rassismus,
weniger Intoleranz in der Gesellschaft
gibt. Wir sitzen in verschiedenen
Gremien und sind auf Veranstaltungen
in Pirna präsent, z.B. beim Markt der
Kulturen, bei den Sonntagsvorträgen
oder den Filmabenden der Aktion Zivilcourage.
Zum Teil mit Ängsten und
Bedenken — die Rechten treten ja mitanter
da, wo wir auftreten, auch mas-3iv
auf,
jana Wiese-Mongoi: Es sind zutiefst rassistische
und diskriminierende Tendenzen
hier entstanden. Und unsere
dunkelhäutigen Kinder, die müssen
das nun alles abfangen, die kriegen das
mit voller Wucht ab. Ganz schlimme
Sachen sind da passiert. Also sehr viel
verbale Belästigung, Diskriminierung,
Provokationen, Beleidigungen. Und
unsere Kinder waren in diesen Jahrzehnten
ja Heranwachsende, die überhaupt
nicht verstehen konnten, was ıhnen
da passiert. Unsere Kinder sind sehr
stark geprägt von diesen negativen Erfahrungen.
Und wir Eltern waren auch
erstmal hilflos. Was soll man denn jetzt
machen? Wie soll man damit umgehen?
Das muss man ja auch erstmal lernen.
Barbara Anton: Unsere Tochter musste einen
Personalausweis beantragen. Wir
sind von Bielatal* aus, wo wir wohnen,
zur Meldestelle nach Bad Schandau*.
Wir haben beim Fotografen Passbilder
machen lassen und dann auf dem
Weg zur Meldestelle sind uns Jugendliche
entgegenkommen. Und als sie dann
ein Stück vorbeigegangen sind: ‚Hier
hat’s gebrannt‘. Der Fotograf und die
Meldestelle liegen vielleicht 200m auseinander.
Nur auf diesem kurzen Stück.
Einmallanggehen. Das reicht schon aus.
Und wir sind dort im Jahr vielleicht zwei
Mal. Einmal reicht, um sich schon verbal
was einzufangen.
Jana Wiese-Mongoi: Und das muss man
sich mal vorstellen: Das passiert unseren
Kindern permanent. Sie müssen jederzeit
damit rechnen, wenn sie an anderen
Jugendlichen vorbeikommen, dass ihnen
was hinterher gerufen wird. Es gibt
auch Gesten des Ausspuckens. Oder
Kotzgeräusche, Schießgeräusche...
Barbara Anton: Kotzgeräusche, das ist uns
in Bielatal auch schon passiert. Wir sind
an einem schönen Sommerabend auf
dem Siedlungsweg spazieren gegangen.
Da kamen uns vier Jugendliche mit ’ner
Bierflasche in der Hand entgegen und
machen dann so Rülpsgeräusche... Wir
wissen wie’s gemeint ıst! Würde man