Digitalisate

Hier finden Sie digitalisierte Ausgaben ethnologischer Zeitschriften und Monografien. Informationen zum Digitalisierungsprojekt finden Sie [hier].

Suchen in

Objekt: Tribus, 39.1990,N.F.

TRIBUS 39, 1990 
58 
Ritter (1956: 30) bezeichnet Shaka ferner als einen Agnostiker oder gar Häretiker, 
der die meisten religiösen Vorstellungen der Zulu seiner Zeit verspottete. Obwohl 
sein Amt den Regenkult mit umfaßte, war er nie zu dessen Ausübung zu bewegen, 
um sich nicht der Lächerlichkeit preiszugeben (ibid.: 274). Anläßlich seiner Einset 
zung zum König unterzog er sich dann zwar der üblichen zweitägigen Seklusion, 
während der er mit »Medizinen« zu seiner Reinigung und Stärkung behandelt 
wurde. An den Nutzen dieser »Medizinen« kraft ihrer Zusammensetzung glaubte er 
aber nicht, abgesehen von einem »psychologischen«. Seine Geliebte Pampata 
bestätigte ihm diese ihr anvertraute Ansicht: Sie habe ihre Kopfschmerzen so lange 
erfolgreich mit für den Magen bestimmten »Medizinen« kuriert, bis sie den Irrtum 
bemerkte (ibid.: 157-158). 
Seiner Ansicht nach konnte auch »witchcraft« gegen eine gut organisierte Armee 
nichts ausrichten, außer daß sie das Selbstvertrauen der Schwachen stärkte (ibid.: 
185). So überführte er umgekehrt auch mehrmals Wahrsager des Betrugs, die ihnen 
mißliebige Menschen der »Hexerei« bezichtigten (ibid.: 90ff., 241 ff.). 
Jedes Todesurteil wegen »Hexerei« mußte von nun an durch Shaka oder einen 
autorisierten Stellvertreter bestätigt werden. So garantierte er allen Sicherheit 
unter der Voraussetzung, daß sie ihm gehorchten. Insbesondere durfte gegen 
keinen in Shakas Armee dienenden Soldaten mehr das Hexereiordal angewandt 
werden (ibid.: 102). 
Der Schutz vor diesem Ordal umfaßte auch die Eigentümer von Rindern, indem 
jene einige davon an die Armee als eine Art Versicherung für sich selbst abgeben 
mußten. Auch ließen sich viele erfolgreiche Fremde im Zulu-Land nieder, um so 
nicht eines Tages einem durch Neid veranlaßten Ordal zu erliegen (ibid.: 105). 
Alles in allem läßt sich somit eine weitgehende Säkularisierung des öffentlichen 
Lebens in Shakas Zulu-Reich feststellen. 
4.4.3. Zur Einbeziehung des Objekts in die ethnologische Theorie: 
das antike Griechenland als Modell 
Die sich mit den Theorien vom Early State befassenden Autoren haben in diesen 
zwar Wirtschaft und Religion, jedoch keineswegs Realien aus der materiellen 
Kultur berücksichtigt, was vor allem an Museen arbeitende Ethnologen bedauern 
sollten. Gleichwohl ist die funktionale Verbindung von politischem System und 
militärischer Ausrüstung schon für bestimmte europäische Gesellschaften heraus 
gearbeitet worden. Wenn im folgenden auf die Verhältnisse während der griechi 
schen Antike verwiesen wird, geschieht das aus drei Gründen: 
1. Ein von der Quellenlage her z.T. besser überliefertes Modell zur Verfügung zu 
haben, das Hinweise zur Schließung von Überlieferungslücken in bezug auf eine 
afrikanische Gesellschaft geben kann. Eine Rechtfertigung dieser Vorgehens 
weise ist u.E. in der Tatsache begründet, daß der Early State als ein Typ 
vorindustrieller Staaten (Claessen/van de Velde 1987a: 4) mit keiner chronologi 
schen Epoche eigens verbunden und in weit auseinanderliegenden historischen 
Perioden zu finden ist (ibid.: 5). Early States der verschiedensten Zeiten und 
Regionen sind also im Prinzip miteinander vergleichbar (vgl. Claessen/Skalnik 
1978b; 1981; Claessen/van de Velde 1987b). 
2. Den Besuchern wurde damit vermittelt, daß Systeme des Early State mit der 
entsprechenden materiellen Ausrüstung zwar zu verschiedenen Zeiten und an 
verschiedenen Orten immer wieder auftreten, wobei sie ähnlich sein können, 
ohne jemals vollkommen identisch zu sein. Nur auf diese Weise »wiederholt« 
sich Geschichte. 
3. Ausgehend von einem den Besuchern im allgemeinen vertrauteren Modell, 
einer afrikanischen Gesellschaft das Stigma des Exotischen und damit die 
Realität Verschleiernden (Bruckner 1984; 205) zu nehmen. 
Es ist der Übergang vom Adelsstaat zur timokratischen Hoplitenpolis im 7. 
Jahrhundert v. Chr., der uns hier beschäftigen soll. Er stellt sich dar als das 
Ergebnis sozialer Auseinandersetzungen im Inneren der einzelnen griechischen
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.