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Volltext: Jahrbuch für Europäische Ethnologie, 6.2011

Christian Ritter   
222 
onsgeflecht gegeben. Sie berichtete von der Teilnahme an Veranstaltungen dreier As- 
soziationen: der „tamilischen Assoziation“, clapest und der Assoziation femme d’ici – 
femme d’ailleur. Die Assoziationen boten Gelegenheiten, lokale Netzwerke zu knüp- 
fen, in denen die republikanischen Werte und Normen des Alltagslebens internalisiert 
wurden. Das Assoziationsgeflecht ermöglicht die „transversale Nutzung des städti- 
schen Raumes“, was wiederum zur Folge hat, dass die internalisierten Regeln und 
Normen in andere Mikrokosmen eingeschrieben werden 
können60. 
Das identitätsstif- 
tende Ereignis der Einbürgerung kann als eine Aufführung des Selbst begriffen wer- 
den, in welchem Mme BERNARD die sozialen Rollen darbot, die sie während der Ak- 
kulturationsphase internalisierte. Die tragischen Umstände der Flucht führten zur Aus- 
bildung eines bikulturellen Selbst, das soziale Rollen der französischen wie der sri- 
lankischen Kultur umfasst. Das Muster der Selbstidentifikation, auf welches sie im In- 
terview rekurriert, bezieht ihre kulturellen Wurzeln ein. Dieser Taxonomie folgend, 
umschreibt sie sich als Französin mit sri-lankischen Wurzeln.   
„Ich wollte ein besseres Leben haben!“   
Zur Lebensgeschichte eines Kunsthändlers - Kurzbiografie   
M. DEMBÉLÉ wurde 1953 in der malinesischen Hauptstadt Bamako geboren. Dort ging er zur 
Schule und machte sein Abitur. Er spricht Französisch, das er bereits in der Schule in Mali 
sprach, und zudem Bambara, die Sprache der Dogon, die er im Kreise seiner Familie erlernte. 
1983 kam er das erste Mal nach Strasbourg. Einige Zeit arbeitete er in Fabriken, um sich dann 
selbstständig zu machen und Handel mit afrikanischen Kunstgegenständen zu treiben. Acht Jah- 
re nach seiner Ankunft in Strasbourg ließ er sich zusammen mit seiner Frau einbürgern.   
Einwanderung in die postkoloniale Ära   
Als ich an einem Dienstagmorgen zum Interviewtermin erscheine, erwartet mich M. 
DEMBÉLÉ bereits. Durch das Schaufenster sind Musikinstrumente und Kunstobjekte, 
wie z. B. hölzerne Figuren, die teils die Gestalt von Menschen, teils von Tieren an- 
nehmen, zu sehen. Im Inneren des Geschäftes sind alle Wände mit Skulpturen oder 
bemalten Tüchern dekoriert. In dem ca. 16 qm großen Kunstgeschäft beginnen wir 
rasch mit dem Interview. 1983 kam M. DEMBÉLÉ das erste Mal nach Frankreich. Er er- 
zählt, wie Mali 1971 seine Unabhängigkeit von Frankreich erlangte und warum er 
nach Strasbourg kam. Einige Jahre nachdem er sein Abitur in Bamako machte, ent- 
schloss er sich nach Frankreich zu reisen. Er kam zunächst nach Strasbourg, da dort 
bereits einige seiner Freunde lebten.   
Ich wollte ein besseres Leben habe. Ich kannte einige Freunde, die wollten, dass ich hierher 
komme. Sie kamen auch aus Mali und leben hier in Strasbourg. Am Anfang habe ich Zeit mit ih- 
nen verbracht. Sie haben mir ein bisschen geholfen und dann kam ich alleine zurecht.   
                  
60 
JOSEPH, 1984 (wie Anm. 8), S. 4.
	        
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