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Kind, mein süßes Kind! ich habe dich gefunden!“
rief die Mutter voll Freude und neigte sich über den
verlorenen Liebling. Aber keine Liebkosung, kein zaͤrt⸗
lich Wort kann den Kleinen erwecken, sein Händchen
ist so kalt, seine Wangen so bleich: von unsäglicher
Angst gefoltert, kniet die Mutter schluchzend neben
dem Kinde nieder, küßt es heiß auf die kalten Lippen,
drückt es an die liebende Brust — umsonst — es
athmet nicht mehr — der Engel des Herrn hat es
aus dem alten Heidentempel in den goldnen Himmel
geholt; das verirrte Lämmchen ist nun daheim beim
guten Hirten.
Kein Wort vermag der Wittwe Schmerz zu malen,
sie weint in unsäglichen Jammer! Wie ist ihr nun
Alles genommen: Eltern, Gatte und Kind todt —
wie kann sie das elende Leben ertragen? Nur Ein Ge—
danke — der der Verzweiflung, durchbebte site. Da sank
sie wieder auf die Kniee, zu Ihm flehend, der gegeben
und genommen hat, der sie einst mit den Geliebten
wieder vereinen wird: und aus der alten Heidenkapelle
steigt ein demüthiges Gebet himmelwärts zum Gott
der Christen, und bringt den Balsam des Segens
und Trostes nieder in das wunde Herz einer ver⸗
lassenen Mutter! Lina Welebil.