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fullscreen: Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 3=13.1883

ıbgebildeten. Prachtgefässes erinnert an manche unserer vor- 
zeschichtlichen Urnenformen. Der grösste Theil der oberen 
Seite desselben zeigt sich in bandartig umlaufende Streifen 
zerlegt, die mit verschiedenen Verzierungen, namentlich sich 
viederholenden stylisirten Thierfiguren ausgestattet sind, 
wie wir ähnliche von den Bronzegefässen der Hallstatt- 
Gruppe kennen, die bisher von den meisten Archäologen 
‘älschlich für etruskisch gehalten wurden. Die drei Gefässe 
zuf Taf, II zeigen schon manches südliche Element in Form 
and Verzierung. Die getriebenen Verzierungen auf dem einen 
ler Becken z. B. zeigen das Palmettenmuster, ein dem 
orientalischen Culturkreise entlehntes Motiv. Die auf den 
folgenden drei Tafeln abgebildeten Krüge und Kannen haben 
schon antike Formen; die der folgenden sind zum Theil 
ganz bestimmt römischen Ursprungs. 
Es ist recht erfreulich zu sehen, wenn kleinere Samm- 
lungen auf diese Art einem grösseren Kreise von Fachge- 
nossen zugänglich gemacht werden und verdient dieses Bei- 
spiel öftere Nachahmung. Der staunend billige Preis der 
musterhaft ausgeführten Blätter sichert dem Werke eine 
zrössere Verbreitung. Franz Heger. 
Dr. Vietor Gross. Les Protohelvetes, ou les pre- 
miers colons sur les bords des lacs de Bienne 
et Neuchatel. Avec preface de M. le Prof. Vircnow. 
Berlin 1883. 4° XII und 114 pp. mit Holz- 
schnitten im Text und 33 Tafeln in Lichtdruck 
nit 950 Objeecten. 
Bei der hervorragenden Wichtigkeit, welche die Schweizer 
”fahlbauten für die Urgeschichtsforschung haben, beansprucht 
das vorliegende schöne Werk unsere Aufmerksamkeit vor vielen 
anderen. Wir finden in demselben eine sehr sorgfältig geord- 
1ete und eingehende Beschreibung und vorzüglich gelungene 
Abbildungen der reichen Pfahlbaufunde, welche in den letzten 
i2 Jahren — grossentheils von Herrn Dr. Gross selbst — in 
len Seen von Biel und Neuenburg gemacht worden sind. 
Gross theilt den zu Tage getretenen Verhältnissen entsprechend 
lie Funde in zwei Gruppen: „Epoque de la pierre“ und 
‚epoque du bronze“. In der „epoque de la pierre“ unter- 
scheidet er drei Perioden. Der ersten Periode mit kleinen, 
schlecht polirten Stein- und Knochenwerkzeugen und mit 
roher, unverzierter Töpferwaare wird der Pfahlbau von Cha- 
vannes bei Neuveville zugezählt, Zur zweiten Periode mit 
zollkommeneren und zum Theil kostbaren, zum Theil sehr 
grossen Stein- und Knochengeräthen und mit verzierter Töpfer- 
waare wird unter anderen die ältere Pfahlbau-Station von 
Locras und jene von Latrigen gerechnet. Die dritte Periode 
bildet den Uebergang von der Stein- zur Bronzezeit und ist 
durch feinere und reicher ornamentirte Töpferwaaren, sowie 
durch das Vorkommen von Waffen und Werkzeugen aus 
reinem Kupfer charakterisirt. Gross sagt direct „c’est l’Epoque 
du cuivre“ und meint, „que cet emploi du cuivre pur, sans 
alliage d’etain, a dure un certain temps dans nos contrees, 
jusqu’au moment, ol l’on decouvrit qu'un lögere addition 
L’etain produisait un metal non-seulement beaucoup plus 
fusible, mais encore plus dur et plus 6lastique“, Als eines 
der bemerkenswerthesten Beispiele führt er die jüngst ent- 
leckte Station von Fenil (Finelz) im Bieler See an, indem er 
Mittheilungen a. Anthron. Gesellsch. in Wien. 1882 
ich zugleich auf die Kupferfunde in Ungarn und in den 
Yfahlbauten von Peschiera und am Mondsee beruft. Die von 
forrtILLET eingeführte Zweitheilung der Bronzezeit in eine 
‚poque du fondeur und eine epoque du marteleur lässt Gross 
‘är die Pfahlbauteu nur zum Theil gelten und rechnet lieber 
nit Forun gewisse Funde, welche der ersten Kategorie an- 
‚ehören würden, in die Steinzeit. In den eigentlichen Bronze- 
4ationen kommen gegossene und geschmiedete Gegenstände 
ıntereinandergemengt vor. Wie umfangreich das diesem 
Verke zu Grunde liegende Material ist, kann man daraus 
ırsehen, dass die Zahl der in den beiden obgenannten Seen 
rzefundenen Bronzegegenstände allein bis jetzt 19.600 Stück 
eträgt. 
Vıircnow sagt in seiner Vorrede zu dem Buche: „Es war 
seit lange ein lebhafter Wunsch aller Frennde der Alterthums- 
orschung, und ich persönlich habe ihm zu wiederholten Malen 
\usdruck gegeben, dass Herr Dr. Gross seine reichen Samm - 
ungen durch eine illustrirte Publication der gebildeten Welt 
jeqnem zugänglich machen möchte. Mit wahrer Freude 
‚egrüsse ich daher das vorliegende Werk, welches in so wür- 
tiger Weise die vieljährigen Bestrebungen seines Verfassers 
msammenfasst und zur unmittelharen Anschanung bringt.“ 
‘ir die Schweizer Pfahlbauten ist dieses Buch geradezu ein 
*undamentalwerk. Wir schliessen daher mit den Worten 
Tmrcnow’s: „Möge dieses Werk. welches in gedrungener Fülle 
las gewonnene Material zur Anschanung hringt, überall eine 
nıte Stätte finden! Möge es auch in der Meinung der‘ Zeit- 
yenossen eine Stelle einnehmen. wie sie der grossen und 
reuen Arbeit, die darin niedergelegt ist, entspricht !“ 
D. R. 
Königliches etfhnographisches Museum zu Dresden. 
II. Jadeit- und Nephrit-Objecte. A. Amerika und 
Europa. II. Jadeit-und Nephrit-Objeete. B. Asien. 
Oceanien und Afrika. Herausgegeben von Dr 
A. B. Muysar, Hofrath, Director der Museums. 
Leipzig. NAUMANN & ScHröner 1882— 1883. Fol. 
Zusammen 68 S. Text, dann A. 2 Taf. LichtAdruck, 
larunter eine colorirt, und B. 4 Taf. Lichtdruck 
In den vorliegenden zwei schön ausgestatteten Liefe- 
ungen des von uns bereits im XI. Bande dieser Mit- 
heilungen (S. 108) angezeigten Prachtwerkes liegt das schon 
ange erwartete Nephritwerk A. B. Mrvyer’s dem ethnologischen 
>ublicum vor. — Der Verfasser knüpft nämlich an die 
’ublieirung der im Dresdner Museum anfbewahrten Jadeit- 
nd Nephrit-Objecte mit Bezug anf das bekannte Werk 
Jene. Fischer’'s eine gründliche Untersnchung über den 
Irsprung der in diese Kategorie fallenden Artefacten und 
:ommt auf vorwiegend kritischem Wege zu einem Resultate, 
las in den betheiligten Kreisen das grösste Aufsehen zu er- 
-egen geeignet ist. Man glaubte nämlich bisher allgemein. dass 
liese Artefacten sämmtlich aus dem östlichen Asien stammen 
müssen, da blos dort (in China, Birma, dem südlichen 
Sibirien) die Fundorte des dazu verwandten Materials bisher 
ı1achgewiesen worden sind. Es würde dies uralte, prä- 
ılstorische Handelsverbindungen nicht nur Europas und 
\frikas mit dem östlichen Asien, sondern auch Amerikas mit 
lem letytaren voraussetzen.
	        
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