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Bibliographische Daten: Sociologus, N.F. 5/6.1955/56

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Wilson Record 
Neger-Intellektuelle die Leitung hatten, wie z. B. das „Niagara 
Movement“ und die „LigafürdenKampf umdieRechte 
der Neger“ , wenig lebensfähig 5 . Daß Intellektuelle an Rassebewe- 
gungen teilnehmen, ist noch keine Garantie für den Erfolg, doch dürfte 
ihr Fehlen eine verhängnisvolle Schwäche einer solchen Bewegung 
anzeigen. 
Unserer Ansicht nach haben vier bedeutsame historische Vorgänge 
das Verhalten der Neger-Intellektuellen als Führer von Rassebewegun 
gen beeinflußt: 1. das Anwachsen des „sozialen Alphabetentums“, 2. die 
Säkularisierung des Lebens der Neger, 3. die Politisierung der Neger 
im Sinne einer Protestbewegung und 4. das Entstehen einer farbigen 
Führerschaft im weltweiten Kampf gegen den Kolonialismus. Diese 
Faktoren werden am Schluß des Artikels der Reihe nach untersucht 
und kurz bewertet werden. 
„Soziales Alphabetentum“ bedeutet viel mehr als nur die Möglich 
keit, durch Lesen Kenntnisse zu erlangen und durch Schreiben anderen 
Menschen Gedanken mitzuteilen. Es umschließt die Fähigkeit des ein 
zelnen, nicht nur seine eigene Lage in Beziehung zu seiner Gruppe 
(bzw. seinen Gruppen) zu erkennen, sondern auch das Verhältnis dieser 
Gruppen zu anderen, mit denen er sich nicht identifiziert. Ferner gehört 
dazu ein Wissen vom Funktionieren solcher Beziehungen und von den 
Möglichkeiten, sie durch geplante Gruppenaktionen zu ändern. Das 
soziale Alphabetentum wird durch Erfahrung erworben; doch macht 
erst der Grad, bis zu dem' das Verstehen von Worten und Zeichen 
sowie das Nachdenken über deren Bedeutung einen Menschen be 
fähigen, soziale Beziehungen zu verstehen, das eigentliche soziale 
Alphabetentum aus. Dieses soziale Alphabetentum findet sich nicht aus 
schließlich bei Intellektuellen, doch läßt sich wohl mit Sicherheit be 
haupten, daß sie es in besonders hohem Grade besitzen. 
Historisch gesehen, hatten die Intellektuellen innerhalb der Gesamt 
heit der Neger fast ein Monopol auf das soziale Alphabetentum. Doch 
rührte dies nicht daher, daß sich einige gebildete Farbige bemüht 
hätten, den Zugang zu den Bildungsmöglichkeiten zu 'behindern; viel 
mehr ergab es sich aus den Einschränkungen, denen die weiße Gesell 
schaft den Neger unterwarf, um ihm mit der Bildung die für intellek 
tuelle Betätigung notwendigen Kenntnisse vorzuenthalten 6 . Die 
5 Mary W. Ovington, The Walls Came Tumbling Down, pp. 100-146* Eine 
weitere gute Analyse des Mißerfolgs der Niagara-Bewegung ist in R. Bunche, 
Programs, Ideologies, Tactics and Achievement of Negro Betterment and 
Protest Organizations, p. 22. Für die „Liga für Kampf um Negerrechte“ siehe 
Wilson Record, The Negro and the Communist Party (Chapel Hill, Univ. of 
North Carolina Press, 1951), pp. 77-83. 
6 Buell G. Gallagher, American Caste and the Negro College (New York, 
Columbia Univ. Press, 1934), chapt. 1 und 2. Es mag darauf hingewiesen wer 
den, daß es vorwiegend die Neger-Intellektuellen waren, die in den Ver
	        
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