Demon und Padzi, die feindlichen Brüder
des Solor-Archipels.
Von P. P. Arndt, S. V. D. (Flores).
Inhalt.
1. Einleitung.
2. Mythen und andere Texte.
3. Erklärung der Mythen.
4. Wo ist die Feindschaft entstanden?
5. Auch Hinduismus mit im Spiele?
6. Hindus für die Feindschaft verantwortlich?
7. Auch durch die Hindumythologie begründet?
8. Neuere und neueste Zeit der Parteifeindschaft.
!• Einleitung.
Solange die Europäer die Herrschaft über den Solor-Archipel haben, so
lange schon haben sie Kenntnis von der Feindschaft der beiden Parteien, die den
Archipel bewohnen, der Demons und Padjis. Doch solange die Bekanntschaft
mit der Tatsache der Feindschaft auch schon währt, so ist doch die besondere
rt leser Feindschaft, der Quell, aus dem sie entsprungen, der Untergrund
auf dem sie weiterlebt, und der Feuerherd, aus dem sie von Zeit zu Zeit immer
wieder zu verzehrender Flamme aufloderte und sich in Krieg Mord und Tot
schlag entlud, bisher ein Rätsel geblieben. Der vorliegende Aufsatz will den
Schleier, der immer noch über der eigenartigen Erscheinung ausgebreitet liegt,
ein wenig heben und Einblick in den Sachverhalt gewähren. Zu diesem Zweck
sollen die Angehörigen der beiden Parteien, die darüber das Schweigen ge
brochen haben, auch selber mit ihren eigenen Worten und in ihrer eigenen
Sprache zu Worte kommen und daher die Texte, die ich in der Solor-Sprache
aufgezeichnet habe, auch in dieser Sprache abschnittweise mit sinngetreuer,
wenn auch dem Wortlaut nach etwas freier Übersetzung, angeführt werden.
Damit verbindet sich dann auch der Vorteil, daß diese Texte als Sprach-
dokumente erhalten bleiben. Aber auch die übrigen Texte sind nur die einiger
maßen freie Übersetzung der erhaltenen Mythen und Erzählungen über ge
nannten Gegenstand. Nachdem so alles erhaltene Material vorgelegt ist, soll
eine Erklärung bzw. Deutung desselben versucht und der Zusammenhang mit
anderen Völkern hergestellt werden. Im weiteren folgt dann eine Darstellung
der Auswirkung dieser Feindschaft, der tatsächlichen Verhältnisse, wie sie
bis in die neueste Zeit bestanden haben, etwas erweitert durch die Erscheinung
der Blutrache.
Anthropos XXXIII. 1938.
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