—00——
O
0400
7
J. Von Wassergeistern.
1. Die JIrrlichter im Grunoͤtümpel bei Wildenau.
zu Wildenau (oder Willenau), einem Dorfe im Amt Grünhain, östlich
oon Schwarzenberg am rechten Ufer der Pöhl, die am unteren Ende des
Dorfes ins Schwarzwasser fällt, befindet sich im Pöhler Wasser ein unheim—
licher Ort, der Grundtümpel, wo sich das Wasser in dem Raum einer Stube
immer dreht und sich öfters darin allerlei Spuknisse sehen lassen, als Weiber,
Männer, Pferde usw. Man hat auch um selbige Gegend bis nach Schwarzen⸗
berg und Sachsenfeld viele Irrwische und feurige Drachen ziehen und spielen
sjehen. Wenn die Leute aus Raschau nach Wildenau gingen oder von
Schwarzenberg herüberkamen, hat es sie oft die ganze Nacht irre und ganz
nahe an besagten Tümpel geführt; wenn der Tag anbrach, saßen sie am Wasser.
Teils hat es ihnen begegnet wie ein Fischer mit Hamen und sie getäuscht
bis in die Dorfhäuser, daß sie zu zehn bis zwölf Wochen krank gelegen.
Einst wohnte ein alter Fischer am Ufer der Pöhl, der hatte eine
wunderschöne Tochter. Wie es aber so zu gehen pflegt, bald war ihr Herz
nicht mehr frei, sie hatte sich aus der großen Anzahl ihrer Anbeter einen
der hübschesten jungen Burschen ausgesucht. Nun war sie aber heiteren
und munteren Sinnes, daher kamen oft aus dem benachbarten Dorfe die
jungen Mädchen und Burschen bei ihrem Vater zusammen und vertrieben
sich die Zeit mit heiteren Scherzen und Spielen. Da begab es sich einst
am Andreasabend, daß das junge Volk auch wieder beisammen war und
im Scherz darauf kam, die Zukunft zu befragen. Man schaffte Blei herbei,
und ein jedes versuchte sein Glück mit Gießen. Als nun die Keihe auch
an die schöne Fischerstochter kam, da spritzte auf einmal beim Guß helles
Feuer aus dem Wasser, das Blei zerfuhr und nahm sich auf dem Wasser
wie Blutstropfen aus. Das Mädchen schrie laut auf, und alles schwieg
bestürzt ob des traurigen Anzeichens. Endlich schlug ihr Bräutigam vor,
das Schicksal noch einmal zu befragen, nämlich nach dem Pöhlwasser zu