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Benennungen und Benennungsmotive zu einem Gerätetyp
Von Reinhard Peesch
Die verbindende Erforschung von „Wörtern und Sachen“, ursprünglich be
gründet, um das einzelne Wort etymologisch erschließen zu können, richtet sich in
neuerer Zeit vorwiegend auf das Ziel, das Wort in den größeren Zusammenhang des
zugehörigen Wortfeldes oder Sprachfeldes zu stellen. Jost Trier hat in seinen tief
gründigen Untersuchungen zahlreiche Beispiele der neuen Forschungsrichtung
gegeben, die auch der historischen Volkskunde neue Aspekte eröffnet. 1 Ganz der
volkskundlichen Thematik ist jetzt ein Buch von Dieter Lutz gewidmet, das einen
geschlossenen Sachbereich unter dem Gesichtspunkt seiner Benennungsmotive und
Bedeutungswerte analysiert und darstellt: Volksbrauch und Sprache. Die Benennung
von Phänomenen der Winter- und Frühlingsbräuche Südwestdeutschlands (Stuttgart
1966). Von dieser im methodischen Ansatz wie in der Ausführung der einzelnen
Teile vorbildlich angelegten Arbeit ließen wir uns zu folgendem Versuch anregen,
ohne jedoch den dort vertretenen theoretischen Ansichten — etwa der Begründung
einer eigenen „Motivations-Volkskunde“ — im einzelnen zu folgen.
Die hier vorgelegte Studie führt in einen anderen Sachbereich, den Bereich einer
Berufssprache, und zwar der des Fischers im östlichen Niederdeutschland. 2 Daraus
behandelt sie die Bezeichnungen für einen Gerätetyp und deren Benennungsmotive.
Dieser Typ umfaßt die Geräte, die in Mecklenburg, Vorpommern und Brandenburg
meist als „Strohgarn“ und an der südlichen Ostseeküste als „Zeese“ bekannt sind.
Typologisch wird er gekennzeichnet als ein Grundschleppnetz, das aus einem sack
förmigen Fangteil und aus zwei Schleppleinen besteht. Als weiteres konstitutives
Merkmal ist hervorzuheben, daß die genannten Leinen in der Regel mit Scheuch
mitteln (Strohwischen oder Klapperbrettern) ausgestattet sind, mit denen der Fisch
vom Grund aufgescheucht und in Richtung auf den Fangsack getrieben wird. Be
merkenswert an diesem Typ ist seine große Variabilität. Deren Ursachen liegen ein
mal an der Verschiedenartigkeit der Gewässer, in denen er Verwendung findet
1 Vgl. D. Adler, Verzeichnis der Schriften von Jost Trier. Festschrift J. Trier, Köln
Graz 1964, 490 ff.
2 Das Material für diese Studie entstammt der Inventarisation der Fischereigeräte und
Boote im östlichen Niederdeutschland, die wir 1956 bis 1965 im Institut für deutsche Volks
kunde an der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin durchführen konnten.
Für Hinweise und Exzerpte aus entlegenen Archivalien habe ich meinen Kollegen Dr. W.
Rudolph und Dr. U. Bentzien zu danken. Ergänzende Belege erhielt ich aus den Archiven
des Mecklenburgischen, des Pommerschen und des Preußischen Wörterbuches, wofür ich
deren Leitern, Herrn Dr. H. Schönfeld, Frau Dr. R. Winter, Herrn Dr. J. Gundlach und
Herrn Prof. Dr. E. Riemann, vielmals danken möchte.