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fullscreen: Zeitschrift für Ethnologie, 78/79.1953/54

  
    
    
Buchbesprechungen und Bibliographien 167 
1947) sind lyrische Sammlungen, die dem Seelenzustand des Indio Ausdruck geben 
wollen. Ich glaube, nicht nur die Formbegabung, die Feinsinnigkeit und Feinfühligkeit 
des Dichters sollten uns dazu reizen, diese Bánde zur Hand zu nehmen, sondern auch 
das Bewuftsein, daB ein Stück indianischer Wirklichkeit hier nicht in zerpflückender 
wissenschaftlicher Analyse, sondern mit der viel tieferen Wesensschau der Dichtung 
Gestalt gewonnen hat. Hermann Trimborn. 
Baldi,Mario: ,Uoni-Uoni" oder ,Die letzten Indianer am 
grofen Wasser^". Bastion-Verlag, Düsseldorf, 1. Aufl. 1952. Portu- 
giesische Ausgabe ,Uoni- Uoni", Edicoes Melhoramentos, Säo Paulo, Bra- 
silien. Deutsche Ausgabe bearbeitet von Konrad Heinrich Simons. 
Das obengenannte Buch gibt in populárer Form einen Einblick in das Stammes- 
leben der Karajá-Indianer am Río Araguaya, Brasilien. In geschickter Art läßt der Ver- 
fasser den kleinen Háuptlingssohn Uoni-Uoni über einen kurzen Abschnitt seiner Kind- 
heit berichten. Mit den Augen dieses Indianerknaben sieht der jugendliche Leser, für 
den das Buch in erster Linie gedacht ist, das Leben der Karajá in ihrem Dorf, während 
ihrer Kriegs- und Jagdzüge, bei Zauberhandlungen und Berührungen mit Weißen, Das 
Buch, welches durch gute Aufnahmen und eine Karte ergänzt wird, ist besonders ge- 
eignet, um die Verbindung zwischen Völkerkunde und Schule zu vertiefen. 
Hans Becher Hamburg. 
Buggenhagen, Erich Arnold von: Worteigentümlich- 
keitenderbrasilianischen Sprache. Publicacáo do Instituto 
Hans Staden, Säo Paulo 1951. 
Vorliegende Arbeit stellt nur erst den Entwurf zu einem größeren Handbuch über 
die gleiche Materie dar. Sie zeigt jedoch bereits, wie dankenswert das Unternehmen des 
Autors gerade auch für den Ethnologen ist, der sich mit brasilianischer Völkerkunde 
beschäftigt und oftmals in Schwierigkeiten gerät, die Ausdrucksweise brasilianischer 
Autoren zu verstehen, zumal dann, wenn er noch keine Gelegenheit hatte, an Ort und 
Stelle die entsprechenden Kenntnisse zu erwerben. Andererseits wird ihm in anschau- 
licher Weise der Einfluß des indianischen Elements (Tupi-Guarani) auf die brasilianische 
Sprache deutlich. Es ist sehr zu wünschen, daß dem Autor und dem Institut Hans Staden 
die Schaffung der geplanten Handbuchs gelingen möge, das eine fühlbare Lücke im 
amerikanistischen Schrifttum schließen wird. Otto Zerries, 
Ribeiro, Darcy: ,A arte dos indios kadiuéu“. — Separata 
der Zeitschrift ,Cultura", Rio de Janeiro 1952. — 43 Seiten, 65 Illustra- 
tionen auf Tafeln. 
Der Autor ist ein junger brasilianischer Ethnologe aus der Schule von Herbert 
Baldus. Seit wenigen Jahren ist er Leiter der wissenschaftlichen Abteilung des brasilia- 
nischen staatlichen Indianerschutzdienstes. Unter seinen früheren Arbeiten hat beson- 
ders ein Werk über Religion und Mythen der Caduveo den Beifall der Fachwelt gefun- 
den (,Religiáo e Mitologia Kadiuéu". — Conselho Nacional de Protecáo aos Indios. 
Publicacáo no. 106. — Rio de Janeiro 1950. — XV und 222 Seiten). — In der gegen- 
wártigen Studie untersucht er die Kunstbetátigung der Caduveo (eines Restes der einst 
gefürchteten Mbayá-Guaikurü oder Cavaleiros am Rio Paraguay). Er geht aus von dem 
Studium der alten Quellen und wiederholter eigener Feldforschung in den. Jahren 
1947/48. Lebendig und klar und mit unaufdringlicher Anwendung moderner kultur- 
anthropologischer Erkenntnismittel analysiert er die erstaunlich vielfáltige und zum 
Teil noch heute lebendige künstlerische Tátigkeit des Stammes: Die Kunst im Zusam- 
menhang der ganzen Kultur — Stilanalyse — Malerei (Dekoration des Kórpers, von 
Tierhäuten und verschiedenen Gebraucdhsgegenstánden) — Flechten und Weben — 
Töpferei — und schließlich die meist weniger eindrucksvolle künstlerische Tätigkeit 
der Männer: plastische Bildnerei und Schnitzerei in Holz, Kork, Horn, Ton und Wachs, 
ferner Metallarbeiten. Eindeutig geht hervor, daD ausschließlich die Frauen den „geome- 
trischen, formalen und abstrakten dekorativen Stil“ pflegen, während die figürlichen 
Darstellungen überwiegend von Männern hergestellt werden. Der Autor räumt ein, daß 
einzelne Muster der weiblichen dekorativen Kunst auf andine und europäische Vor- 
bilder zurückzuführen sind, kommt aber zum Schluß, daß in solchen Vorbildern nicht 
der Ursprung der Kunst der Caduveo oder auch nur ein entscheidender Faktor ihrer Ent- 
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
 
	        
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