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Weihnachtsschmausereien mit ihren Lustbarkeiten (Steffen uut
de Tünne) und Stephanshörnern (spumantia cornua) haben auf-
gehört. Man fragte sich früher gegenseitig: heist du ok wit to
Stafens kregen? Wie um Martini und St. Nikolaus, so werden
auch am Stephanstage ursprünglich Bescherungen stattgefunden
haben. Am Abend sollte Stephan (auch ein verkappter Wodan)
auf seinem weissen Ross übers Watt geritten kommen: hy kaum
up ’n’witen hingst ur strik surd (festgebunden) ful Stafens-
göder (vgl. Sünderklaasgood). Da bener (Kinder), der nu ardıg
sint, da kriget ’n ganz deil, da, der aber unardig sint, da
kriget wit mit ’n tau.“ — Nun das Einzelne! „hollige Sinte“
Pleonasmus wie Herr Domine, Milde = freundlich, liebreich,
humanus (ahd. milti; miltida = Barmherzigkeit), eine Eigenschaft,
die ihm als vortrefflichem Diakon zugelegt wird. Statt Godes Drupt
würde ich gern Godes Drüt lesen, wie auch Petrus genannt wird
(ah&. drüt, trüt, adj. Part. zu trüwan= lieb; Subst. Geliebter,
Jünger, Liebling Gottes); in einem Liede vom heiligen Petrus
lautet es: Pitt&mes den gotes trüt alle samant uparlüt. Bei
„Poorte“ haben wir wohl an das St. Stephansthor im nord-
östlichen Winkel des Haram zu denken. In Anknüpfung an
meine Konjektur „Drüt‘“ möchte ich auch lesen: gung men hem
stieten uut—ging man ihn hinauszustossen Apostelgesch. 7,56.
Die Steinigung des Protomartyrs ist recht drastisch dargestellt.
Im Monatsblatt 1. c. steht weiter: „Dir om, kompt“ ==darum,
wenn kommt. Dej (engl. day): die Verwandlung des g in } ist
sonst im Anlaut sehr häufig; (altfries.: dei, dey,; westfr. dey; satl.
dej Doornkaat-Koolman’s Wörterbuch I, S. 271). Cad. Müller
S. 31: dy= Tag. Der Christ soll’ neu werden durch Ablegen
der Fleischesnatur (kreuzige dein Fleisch samt seinen Lüsten
und Begierden), und wie das Licht jetzt neu wird, so sollen
wir im Lichte wandeln und des Lichtes Kinder sein. Mach es
wie jener Jüngling, zu dessen Füssen die Steiniger ihre Kleider