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Objekt: Band: Gesammelte Abhandlungen zur amerikanischen Sprach- und Alterthumskunde, 5. Band, Aus Nord- und Südamerika, weitere Beiträge zur Alterthumskunde México's und der Maya-Länder

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GERRY BARTON 
Maori-Webarbeiten im Linden-Museum Stuttgart 
Einführung 
Die Stuttgarter Sammlung von Maori-Textilien aus Neuseeland besteht aus sieben 
Umhängen, einem einzelnen Schurz und siebzehn Körben und Taschen, von denen 
eine nicht fertiggestellt wurde. Die Sammlung wurde vor 1900 zusammengetragen 
und zu einem großen Teil 1917 dem Museum von der Witwe Waldthausen gestiftet. 
Die Sammlung ist klein, aber nicht unbedeutend. Einige der Umhänge sind außerge 
wöhnliche Beispiele für einen Stil, der in der Mitte des 19. Jh. aufgegeben wurde. 
Fein gearbeitete Umhänge dieser Art waren traditionell hoch geschätzt und verlie 
hen einer Stammesgruppe Prestige, indem sie die Vornehmheit der Männer, die sie 
trugen, vergrößerten. Besonders herausragende Umhänge wurden mit einem Eigen 
namen ausgezeichnet und waren weithin berühmt. Sie waren von großem Wert, und 
es gibt Belege für den Tausch von Umhängen gegen Kriegskanus. So gaben z.B. die 
Schnitzer des großen Kriegskanus, das sich heute im Museum in Auckland, Neusee 
land, befindet, dieses Boot im Austausch gegen einen berühmten Umhang an eine 
andere Stammesgruppe 1 . 
Von besonderem Interesse in dieser Sammlung sind auch verschiedene seltene 
Taschen, welche die Anwendung dekorativer Techniken und die Verwendung der 
Rohmaterialien durch die Weber des 19. Jh. belegen. 
Kleidung 
Die Maori Neuseelands nutzten verschiedene Blattpflanzen zur Herstellung ihrer 
Kleidung; am weitesten verbreitet war jedoch harakeke, der neuseeländische Flachs 
(Phormium tenax). Alle Stücke des Linden-Museums sind aus harakeke hergestellt. 
Trotz der üblichen Bezeichnung Flachs handelt es sich dabei nicht um einen Leinen 
flachs, sondern um eine mehrjährige einkeimblättrige Pflanze aus der Familie der 
Agaven. Die Blätter, die die Fasern liefern, sind grün, lederähnlich und lanzettför 
mig und können in ausgewachsenem Zustand eine Länge von bis zu 3 Metern errrei- 
chen. Sie wachsen in dichten Fächern aus festen Rhizomen (Abb. 1). Maori-Weber 
unterschieden mehr als 60 Arten von harakeke. Das Sammeln der Blätter und die 
Herstellung der Fasern geschah unter Einhaltung ritueller Vorschriften. 
Nur spezielle Blätter der Pflanze wurden geerntet. Nachdem sie vom Busch abge 
schnitten waren, entfernte man die harten Mittelrippen sowie die scharfen Kanten 
und schnitt das verbleibende Blatt in etwa 2 cm breite Streifen. Um die darin enthal 
tenen Fasern zu gewinnen, zog man diese Streifen über ein Werkzeug mit scharfen 
Kanten, traditionell eine Muschelschale, und zwar erst auf der einen, dann auch auf 
der anderen Seite, um die Epidermis zu entfernen. Um alle blättrigen Überreste zu 
entfernen, wurden die freigelegten Fasern erneut abgeschabt. Je nach Art des Klei 
dungsstückes, zu dem sie verarbeitet werden sollten, wurden sie anschließend gewa 
schen und mit einem steinernen Schlegel bearbeitet, um die Fasern aufzuhellen und 
geschmeidig zu machen. Die so hergestellten Fasern bezeichnen die Maori als тика. 
Um тика für das Weben verwendbar zu machen, teilte man die Fasern in Stränge. 
Jeweils zwei wurden zu einer Webfaser versponnen, indem die Weberin sie mit der 
rechten Hand in leichten, schnellen Bewegungen über den nackten Oberschenkel 
rollte. Diese Arbeit führte man traditionell im Sommer und Herbst durch, das Weben 
der Kleidungsstücke selbst im Winter und Frühjahr 2 . 
тика wurde auch gefärbt. Eine gelbe Färbung erhielt man, indem man die Fasern in 
einer Lösung kochte, die durch das Sieden von Wurzeln und/oder Rinde des
	        
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