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Der Husterknupp, eine niederrheinische Burganlage
Verfeinerung hinduch spürbar. Schon im 16. Jh. hatte sich der Brauch entwickelt, den
Landesherrn bei Besuchen in den Berggemeinden feierlich in der Berufstracht zu empfangen.
Solche Empfänge darf man wohl schon als Vorläufer der „Bergaufzüge“ ansehen, die dann
im 18. Jh. zu einem Bestandteil der großartigen Feste Augusts des Starken und seiner Nach
folger wurden. Diese Feste waren keineswegs reine Lustbarkeit, sie dienten zugleich dazu,
im Gewerbefleiß des sächsischen Volkes des Landes Macht und Wohlstand zu dokumen
tieren. Die werbende Kraft dieser glanzvollen Schaustellungen war, wie man weiß, in
ganz Europa außerordentlich groß. Daß dabei der Bergbau als eine der bedeutendsten
Kraftquellen des Landes ganz besonders im Blickfeld stand, ist nicht verwunderlich.
Daraus ergab sich die Notwendigkeit der Organisation: der Differenzierung und Charak
terisierung der verschiedenen Tätigkeiten, der rangmäßigen Gliederung, der Steigerung zum
bildmäßigen Gesamteffekt. Gewiß hat es im Bergbau schon immer Rangstufen und verschie
dene Tätigkeiten in Menge gegeben, aber ob sie in jedem Fall derart in der Arbeitskleidung
sichtbar waren, darf man doch bezweifeln. Sicher haben alle Bergleute, die an dem berühmten
Aufzug im Plauenschen Grund teilgenommen hatten, zeit ihres Lebens und mit Stolz daran
als an ein unvergeßliches Erlebnis zurückgedacht, aber als die Bergbehörde nun daran ging,
das Einmalige zu einer ständigen Pflicht und Regel zu machen, kamen die Bergleute in eine
mißliche Situation. Es wurde ihnen ein Idealbild ihrer selbst aufgenötigt, dem zu entsprechen
sie weder Lust noch Geld hatten.
Der Bergbehörde lag im eigensten Interesse daran, Ansehen und Selbstbewußtsein der
Bergleute zu stärken; sie sah in der Uniformierung ein geeignetes Mittel dazu. Sie
war auch nicht taub gegen die Klagen der Bergleute, sie bemühte sich um billige Stoffe,
sie empfahl, da z. B. die traditionelle Bergbarte zu teuer war, sogar die Anschaffung von
Attrappen — ein höchst bedenklicher Schritt! Andererseits wird rigoros verfügt, es „solle
hinfüro kein Beamter ... in Pflicht gesetzt werden, bis er den ihm vorgeschriebenen Habit
sich angeschaffet ...“. Die Nichtanschaffung wird mit 4wöchigem Lohnentzug bestraft;
es wird mit Hohn und Strafe bedroht, der es wagt, sich seines Habits zu schämen. Damit
ist nun freilich der Bogen überspannt, die Tracht jeglichen Eigenlebens beraubt, der Über
gang zur starren Uniform vollzogen.
Die Etappen auf diesem Weg, die Frühformen, die Aufzugstracht von 1719, die Parade
tracht von 1768, die den Schlußstrich unter die Entwicklung zieht, sind in eigenen Kapiteln
gewürdigt. 15 schwarz-weiße und 16 farbige Tafeln führen uns (im Auszug natürlich) die
wichtigsten Bilder vor: die Einzelblätter von Joh. Aug. Richter, 1723 — 1729, die Stich
folge Christof Weigels, 1721, die Aufzugstrachten des Jacob Heinrich Fehlingk, 1719,
den Freiberger Fries mit dem Bergaufzug beim Saturnusfest, das Parade-Habit von 1768
und verschiedene Einzelbilder. Eines von diesen, das Bildnis des mächtigen Generalberg
kommissars v. Heynitz, gemalt von Anton Graff, schmückt auch den Umschlag des
schönen Buches.
Rudolf Helm — Kassel
Adolf Herrnbrodt: Der Husterknupp, eine niederrheinische Burganlage des frühen
Mittelalters. Mit Beiträgen von Adelhart Zippelius, Wolf Herre und Gertraud
Siewing. Köln —Graz, Böhlau Verlag, 1958. 220 S., 78 Abb., 43 Taf., 10 Falt
blätter, 8°.
Zu den wertvollen Ausgrabungen jüngster Vergangenheit zählt die in den Jahren 1949 bis
1951 vornehmlich unter der Leitung desVerf.s durchgeführte Untersuchung des imErftale
bei Frimmersdorf im Reg. Bez. Düsseldorf gelegenen „Husterknupps“, gestattete doch
die trotz erschwerter Umstände mit Sorgfalt vor genommene Abtragung — die Arbeiten
standen wegen der geplanten Einbeziehung des Gebietes in den Braunkohlentagebau unter
erheblichem Zeitdruck — erstmalig Einblicke in die Entwicklungsphasen einer Burganlage
während des 9. bis 12. Jhs. Wie die nunmehr vorliegende Publikation der Grabungs