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Objekt: Band: Sächsische Volkssagen, 3. Bändchen

14 — 
fern, und sie wird dir von kühneren Bewerbern plötzlich 
einmal weggenommen werden. Erlaubst du mir, Rom— 
ner, daß ich für dich werbe?“ — 
„Ach, Römer,“ entgegnete Romner, „rede mir nicht 
von Dingen, die mir schon oft Herzweh gemacht haben. 
Ich bin in allen Beziehungen meines Lebens bisher ganz 
offen gegen dich gewesen, aber in einem Punkte muß ich 
auch gegen dich mich verschlossen zeigen. Nur eins will 
ich dir sagen: ich kenne ein weibliches Wesen, zu dem 
ich mich hingezogen fühle, doch zu ihr wage ich nicht 
hinaufzublicken ...“ 
„Zu Anna von Bünau, meinem Mühmchen!“ unter⸗ 
brach Römer schnell und fügte fragend hinzu: „Habe 
8 getroffen, Freund? Sie ist's, die dir Herzweh macht, 
und ....“ 
„Bitte, Römer,“ wendete Romner ein, „rege in mir 
nicht Gefühle an, die mir schmerzlich sind. Anna, die 
herrliche adelige Jungfrau, die manchen ritterlichen Be— 
werber schon mit einem Körbchen heimsendete, sollte sich 
zu einem ehemaligen hausirenden Handelsmanne herab— 
lassen? — Du spottest doch nur!“ 
„Nein, Romner, versetzte Römer, „in so ernsten Din— 
n spotte ich nicht, besonders wenn sie dich betreffen. 
Ich habe dich, ich habe Anna genau beobachtet — aus 
Blick und Miene kann man viel lesen; — nun überlaß 
mir das Weitere. Früchte reifen nicht auf einmal, doch 
muß man sie auch zur rechten Zeit zu brechen wissen. 
Wir sprechen bald wieder von der Sache, und dann, 
hoffe ich, soll dein Herzweh sich verlieren. Jetzt aber 
wird's Zeit, daß wir uns unter die andern Gäste mischen; 
komm, laß uns gehen!“ 
Die Freunde schlossen sich der größeren Gesellschaft 
wieder an. Romner war jedoch ernster, als sonst; eine 
gewisse Unruhe hatte sich seiner bemächtiget und bald 
trat er den Heimweg an. 
Je bedenklicher sich Romner von jenem Tage rück— 
sichtlich seiner Besuche auf Neumark zeigte, desto öfter 
wußte der heitre Römer seinen Freund zu bewegen, der 
Bünau'schen Familie sich zu nähern. Nach mehreren 
Wochen war der besorgte Romner geneigter, dem Freunde 
auf der Besuchsreise sich anzuschließen, da er vom alten
	        
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