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fern, und sie wird dir von kühneren Bewerbern plötzlich
einmal weggenommen werden. Erlaubst du mir, Rom—
ner, daß ich für dich werbe?“ —
„Ach, Römer,“ entgegnete Romner, „rede mir nicht
von Dingen, die mir schon oft Herzweh gemacht haben.
Ich bin in allen Beziehungen meines Lebens bisher ganz
offen gegen dich gewesen, aber in einem Punkte muß ich
auch gegen dich mich verschlossen zeigen. Nur eins will
ich dir sagen: ich kenne ein weibliches Wesen, zu dem
ich mich hingezogen fühle, doch zu ihr wage ich nicht
hinaufzublicken ...“
„Zu Anna von Bünau, meinem Mühmchen!“ unter⸗
brach Römer schnell und fügte fragend hinzu: „Habe
8 getroffen, Freund? Sie ist's, die dir Herzweh macht,
und ....“
„Bitte, Römer,“ wendete Romner ein, „rege in mir
nicht Gefühle an, die mir schmerzlich sind. Anna, die
herrliche adelige Jungfrau, die manchen ritterlichen Be—
werber schon mit einem Körbchen heimsendete, sollte sich
zu einem ehemaligen hausirenden Handelsmanne herab—
lassen? — Du spottest doch nur!“
„Nein, Romner, versetzte Römer, „in so ernsten Din—
n spotte ich nicht, besonders wenn sie dich betreffen.
Ich habe dich, ich habe Anna genau beobachtet — aus
Blick und Miene kann man viel lesen; — nun überlaß
mir das Weitere. Früchte reifen nicht auf einmal, doch
muß man sie auch zur rechten Zeit zu brechen wissen.
Wir sprechen bald wieder von der Sache, und dann,
hoffe ich, soll dein Herzweh sich verlieren. Jetzt aber
wird's Zeit, daß wir uns unter die andern Gäste mischen;
komm, laß uns gehen!“
Die Freunde schlossen sich der größeren Gesellschaft
wieder an. Romner war jedoch ernster, als sonst; eine
gewisse Unruhe hatte sich seiner bemächtiget und bald
trat er den Heimweg an.
Je bedenklicher sich Romner von jenem Tage rück—
sichtlich seiner Besuche auf Neumark zeigte, desto öfter
wußte der heitre Römer seinen Freund zu bewegen, der
Bünau'schen Familie sich zu nähern. Nach mehreren
Wochen war der besorgte Romner geneigter, dem Freunde
auf der Besuchsreise sich anzuschließen, da er vom alten