tung macht viel Spaß, wenn sie so vorsichtig aus ihren Bauen hervor—
kommen, dann ein niedliches Männchen machen, sich im Sonnenschein
putzen, die Nahrung mit den Vorderpfoten artig zum Maule
führen, dann wieder flink über den Erdboden huschen und sich
neckend hin und her hetzen, bis eine unvorsichtige Bewegung des
Beobachters sie blitzschnell wieder in ihre Köhren zurückfahren läßt.
Sie werden aber nicht nur durch ihre Wühlereien lästig, sondern ver⸗
ursachen auch in den Feldern mancherlei Schaden, und deshalb darf
der stolze Kaiseradler, an dem sie einen furchtbaren Feind haben,
eigentlich nicht für ein schädliches, sondern eher für ein nützliches Tier
gehalten werden.
Überraschend oft kann man in Bulgarien diese majestätischen
Flieger, die in ausgefärbtem Zustand durch einen weißen Schulterfleck
gekennzeichnet sind, ihre prachtvollen Luftkreise mit der Regelmäßig—
keit eines Perpendikels beschreiben sehen, und nicht selten hat man so—
gar die Freude, sie aus unmittelbarer Nähe betrachten zu dürfen, denn
der Kaiferadler ist keineswegs scheu. Ja, ich sah seinen umfangreichen
horst sogar auf niedrigen Birnbäumen, unmittelbar an der Paß—
straße. Das ausgesprochen Trotzige und Rönigliche, das Wilde und
Nühne des Steinadlers geht dem Kaiseradler trotz seines Namens
freilich so ziemlich ab. Jener ist ein weit gefährlicherer Räuber,
zehntet die Schaf- und Ziegenherden in unbarmherzigster Weise,
stürzt mit wuchtigem Flügelschlag das Gemskitz vom steilen Felsen⸗
vorsprung in eine Schlucht und trägt es dann unter frohlockendem
Schreien mit erstaunlicher Kraft davon. Ja, es erscheint nicht un—
glaublich, daß er sich gelegentlich auch an kleinen Kindern vergreift,
die auf den Weidetriften niedergelegt wurden. Nur am horst ist
auch dieser Adler feig, und ich halte nach meinen Erfahrungen alle
die Schauergeschichten, die von Angriffen brütender Adler auf den
ihrem heim sich nähernden Menschen erzählt werden, für bloße Mär⸗
chen. Wir selbst haben damals manchen Adlerhorst ausgenommen
und einmal auch ein Paar junger Steinadler im Daunenkleid wochen—
lang mit uns herumgeschleppt, die sich aber so wild und ungebärdig
benahmen, daß wir sie schließlich töten mußten, um sie wenigstens
für die Sammlung des Sarajewoer Museums zu retten. Wunder—
voll ist das Auge eines solchen Adlers, und ich werde nie den Ein—
druck vergessen, den das brechende Auge eines tödlich getroffenen
Adlers mit seinem unbeschreiblichen Ausdruck von Grimm und Crotz,