verläuft sich.. Die Pechpfannen flackern allmählich aus. Das Ve-
randalicht wird wieder angedreht. Man legt seinen Obolus auf einen
schönen und reich gearbeiteten singhalesischen Silberteller. Der Spuk
ist vorbei. Kandys See liegt wieder da wie früher. Und langsam
steigt der Mond hinter den jenseitigen Bergen herauf. Er sieht das
alte Bild: in Rickschahs um den See herumfahrende Fremde und in
der offenen Hotelhalle eine kleine amerikanische Reisegesellschaft,
die sich die Tänze gar nicht angesehen hat, sondern bei ihrem Whisky
und Soda sitzengeblieben war. Sie beraten, wo sie morgen sein
wollen, und reisen weiter durch diese schöne Welt, genau wie ihre
Koffer.
In Madras ist eine sehr schöne und interessante Sammlung von
Skulpturresten aus einem Heiligtum bei Amaravati zu sehen, das
dem zweiten nachchristlichen Jahrhundert angehören soll. Eine pla-
stische Flächenkunst von großer Feinheit der Durchführung und einer
seltenen Unerschöpflichkeit der Motive. Der menschliche Körper
hat hier seine exakte ausdrucksmäßige Durcharbeitung erfahren und
gilt doch gleichzeitig als wesentlichste Einheit im ornamentalen Ge-
triebe des ganzen Kunstwerks. Dabei wird die Flächenfüllung von
einem unerhörten Rhythmus getragen. Alles ist hier Bewegung,
Fluß und kreisendes Leben. Ganze Medaillons sind von hintereinander
herwirbelnden Menschenleibern angefüllt. Mit höchster Akkuratesse
in den Bewegungslinien und von höchster rhythmischer Potenz im
Ablauf der Gruppen. Ganze Reihen von Körpern laufen, stürzen,
fliehen gleichsam um eine ruhende oder doch ruhigere Mittelpunkt-
figur herum. Alles in allem eine sehr liebenswürdige und heitere,
eine so gar nicht grausige, verstiegene und orgiastische Kunst, der
man doch sonst in Südindien auf Schritt und Tritt begegnet. Und
doch sehr indisch, sehr orientalisch. Leben ist Bewegung. Und Be-
wegung ist Lust. Für den Orient mehr noch als für uns. In allem
Täglichen sind die Menschen hier draußen sicher gelassener, ver-
träumter, melancholischer und erscheinen weniger persönlich als fa-
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