Schriftstellers, ist der Ursprung der Puppenspiele in einer noch viel
frühern Zeit zu suchen. Schon während der Regierung des Kaisers
Mu aus der Chow-Dynastie (um 1000 vor Christi Geburt) soll der
geschickte Meister Yen Tschi Puppen angefertigt haben, die singen
und tanzen konnten und bald auch vor dem Kaiser, der Kaiserin und
ihrem ganzen Hofstaat auftraten. Und zwar mit großem Erfolg.
Doch glaubte der argwöhnische Herrscher nach Schluß. der Auf-
führung: zu bemerken, daß die Puppen seiner Umgebung, vor allem
seiner Gemahlin und den kaiserlichen Nebenfrauen, mit den Augen
zuzwinkerten, worauf er in helle Wut geriet und dem stets anwesen-
den Scharfrichter den Befehl erteilte, Yen Tschi zu töten. Ehe dieser
aber noch Hand an ihn legen konnte, ergriff der Meister einen Dolch
und schnitt sämtlichen Puppen die Köpfe ab. Als der Kaiser jetzt
sah, daß sie alle nur aus Stroh und Holz bestanden und mit Lack
bestrichen waren, beruhigte er sich und gestattete dem Meister Yen,
weiterhin dem Volke mit seinen Puppen aufzuspielen. Um aber ganz
sicherzugehen, daß nicht doch gelegentlich ärgerliche Dinge pas-
sierten, verbot er den Frauen bei Todesstrafe, diesen Aufführungen
beizuwohnen. Und bei diesem Brauch ist es bis in die jüngste Zeit
hinein geblieben. Noch vor wenigen Jahren durften die chinesischen
Frauen nicht ins Theater gehen.
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